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Spielinfo
Pineview Drive
Entwickler: 
VIS
Publisher: 
UIG
Releasedatum: 
24.01.2017
Genre: 
Horror
USK: 
12

Bereits seit 2014 geistert das Gruselabenteuer einer kleinen deutschen Indie-Schmiede auf den Heimcomputern umher – mit tendenziell durchwachsenen Meinungen. Pineview Drive soll nun auch auf den Konsolen für Angst und Schrecken sorgen und schafft dies in vielerlei Hinsicht. Leider nur selten, wie gedacht.

Es war einmal…

Vor 20 Jahren haben sich im Anwesen am Ende von Pineview Drive in Küstennähe schreckliche Dinge zugetragen. Was genau, bleibt zunächst im Unklaren. Zu dieser Zeit trennte sich jedenfalls der gemeinsame Lebensweg des spielbaren Protogonisten und seiner Ehefrau namens Linda. Seither, so sagt man zumindest, hat es an diesem Ort keine Menschenseele länger als 30 Tage ausgehalten. Nun also stellt sich die Spielfigur seinen Ängsten, um die mysteriöse Vergangenheit zu beleuchten.

Die fragmentierte Geschichte des Gruselabenteuers fügt sich arg schleppend zusammen und endet nach acht Stunden und 30 langatmigen Spieltagen mit einer Wendung, die den gesamten Sinn des Geschehens infrage stellt. Wer mit Filmen wie The Others oder The Sixth Sense vertraut ist, dürfte die Auflösung kaum überraschen, zumal der gesamte Plot nach der wirren Auflösung überhaupt keinen Sinn mehr ergibt und zwar von Anfang bis Ende. Wer es immerhin bis dahin durchgehalten hat, wird mit Schockmomenten unterhalten, die sich schnell abnutzen, viele Klischees bedienen und somit in ihrer Gesamtheit die potenzielle Wirkung verfehlen werden. 

Schockierender Spielablauf

Schon nach kurzer Spielzeit wird klar, dass Pineview Drive wenig Spaß vermitteln kann und bereits zu Beginn in nervige Arbeit ausartet. Das liegt hauptsächlich am fragwürdigen Konzept. Unmittelbar vor Einbruch der Dunkelheit erwacht die Spielfigur im Schlafzimmer und erkundet aus der Ego-Perspektive das Anwesen. Warum er das nicht tagsüber macht, kann nur mit viel Fantasie an den Haaren herbeigezogen werden. Zumindest hat man dann einen Grund, die Taschenlampe sowie Streichhölzer nutzen zu müssen. Von letzteren lassen sich übrigens nur zehn Stück gleichzeitig mitführen. Warum? Man weiß es nicht, ebenso wenig, warum man Batterien erst aufsammeln darf, sobald die Taschenlampe gefunden wurde. Spätestens am achten Tag wird man nicht mehr darauf verzichten wollen, wenn kein Strom mehr da ist. 

25 Spieltage lang ist es dann ein quälend nerviges Hin und Her auf der Suche nach Schlüsseln und den zugehörigen Türen. Der Umstand, dass sich diese wieder automatisch schließen, erschwert die Orientierung nochmal erheblich, zumal eine Übersichtskarte fehlt. Echte Hinweise sind Mangelware, zumindest gibt das Haus nach und nach seine wahre Dimensionen preis. Als Belohnung liegt auch noch irgendwo ein Erinnerungsfetzen herum, der die Geschehnisse der Vergangenheit kurz, knapp und verwirrend langsam aber sicher zusammenfügt. Spielerische Abwechslung oder irgendeine Form der Interaktion sucht man dann bis Tag 26 vergeblich, bis man Schnipsel eines Fotos vorgesetzt bekommt.

Selbst das vermeintliche letzte Ass im Ärmel bringt kein Erfolgserlebnis: Am linken oberen Bildschirmrand prangt eine unauffällige Leiste als Hoffnungsschimmer. In der Theorie liest sich dieses Element noch durchaus interessant. Da heißt es: „Die Lebensenergie des Spielers regeneriert sich langsam wenn der Spieler ruhig bleibt und verringert sich schlagartig wenn sich der Spieler aus der Ruhe bringen lässt und erschreckt.“ Pineview Drive will also merken wollen, wie ein Spieler auf Schockmomente reagiert, bis hin zum vermeintlichen Game Over durch virtuelles Herzversagen. Praktisch ist dieses Feature leider kaum nachvollziehbar und hat sich bei unserer Testphase nicht im Geringsten bemerkbar gemacht. 

Ecken und Kanten

Auch technisch fällt der Titel gnadenlos durch. Zwar sind die Sound- und Musikkulisse grundsätzlich solide, doch bei der Umsetzung hat sich scheinbar der Fehlerteufel eingeschlichen, der mit Rauschen, Kratzen und Knacken die Akustik stört. Grafisch bewegt sich die Optik selbst für eine Indie-Produktion auf schwachem Niveau. Das Gesamtbild ist detailarm und ruckelt, wirkt lieblos, simpel und steril wie mühsam aus einem Baukasten zusammengeflickt. Objekte sind eckig und kantig, Texturen wurden stellenweise vergessen und die Schattendarstellung zeichnet regelmäßig hässliche Bilder, beispielsweise an der Rückseite des Anwesens (siehe Screenshot).

Pro und Contra
  • Solide Steuerung
  • Fehlerhafte Grafik + Sound
  • Langweiliges Gameplay
  • Kaum Interaktion
  • Wirre Story
Bewertung
Gameplay: 
1
Steuerung: 
5
Grafik: 
2
Sound: 
4
Multiplayer: 
0
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 20
Fazit von: 
Christian Schmitz
Pineview Drive scheitert schon am Grundkonzept. Wer meint, dass eine achtstündige Schlüsselsuche irgendeine Form von Spielspaß vermittelt, liegt komplett daneben. Sowas hat schon vor 30 Jahren nicht funktioniert. Auch Abwechslung, Interaktion und Technik sind entweder nicht vorhanden oder bewegen sich auf höchstens unterdurchschnittlichem Niveau. Nicht mal als Trash für Hartgesottene möchte ich eine Empfehlung aussprechen.

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