
Mit Dante's Inferno bringt Electronic Arts ein Action-Adventure auf den Markt, welches auf dem literarischen Werk La Comedia des italienischen Philosophen Dante Alighieri, basiert. Im La Comedia schildert der Schriftsteller seine Reise durch die Hölle und umschreibt erschreckend genau seine detaillierte Vorstellung des ewigen Leides. Die Hölle ist dabei in 9 konzentrische Kreisen unterteilt. Je näher man den tieferen Kreisen und der Heimat von Luzifer kommt, umso schrecklicher werden deren Bewohner und die Umgebung.
In Dante's Inferno übernehmt ihr die Rolle von Dante und seiner gequälten und gemarterten Seele, um euch auf den Pfad des Sünders hinab in die ewige Finsternis zu begeben. Dabei zog Dante zu Beginn sogar mit göttlichem Beistand und vielen anderen Kreuzrittern in Richtung der Stadt Acre im Heiligen Land. Doch die Versprechen des Bischofs entpuppten sich als dreiste Lügen. Das Kreuzfahrerheer mordete unschuldige Männer, Frauen und Kinder und das gnadenlos und ohne Reue. Der einst so hoch gelobte Krieg endete in einem unermesslich gigantischen Blutbad, und auch Dante versündigte sich gegen seine Ehefrau Beatrice, die alleine daheim geblieben war.
Dante, einst ein glorreicher Kämpfer wurde dadurch zu einem gebrochenen Mann. Am Boden zerstört, von Wut und Hass gegenüber dem Bischof zerfressen, raubte die Hölle ihm seine letzte Hoffnung. Seine geliebte und unschuldige Beatrice, fiel einem heimtückischen Mord zum Opfer. Von nun an gab es für Dante nur noch einen Weg, der durch die Tore der Hölle ins Schattenreich führt, immer auf der Suche nach seiner Beatrice, die unschuldig in den Klauen Lucifers ein unrühmliches Dasein fristet.
Wer God of War kennt, der wird sich in Dante's Inferno sofort zurechtfinden. Ohne Umwege oder eine grossartige Vorgeschichte öffnet Entwickler Visceral Games den Schlund in die Untiefen der Hölle. Das Spiel eröffnet mit dem Kampf Dantes gegen den Tod, an dessen Ende Dante als Sieger hervorgeht und fortan mit der Sense des Knochenmanns auf Monsterjagd geht.
Während das Buch Die göttliche Kömodie die Hölle, das Fegefeuer und das Paradies beschreibt, erlebt ihr in Dante's Inferno nur die erste Episode in der Hölle. Letztere teilt sich in neun Zirkel auf, die Autor Dante Alighieri in unterschiedliche Laster gegliedert hat, die jeweils von einem Endgegner bewacht werden. Ähnlich wie bei God of War handelt es sich bei Dante's Inferno um einen Mix aus Hack'n'Slay gepaart mit Action-Adventure-Einlagen. Immer wieder trefft ihr auf gequälte und gepeinigte Seelen, die euch im Auftrag Lucifers entgegentreten. Erst wenn alle Feinde besiegt sind, lässt euch das Spiel eure Reise in die Tiefe fortsetzen.
Viel Geschmack haben die Entwickler besonders bei der Auswahl der Gegner bewiesen, liefert das Original doch eine gute Vorlage. Neben Feuerwesen oder ungetauften Kindern, aus deren Arme Schwerter statt Hände gewachsen sind, legt ihr euch oftmals auch mit deutlich grösseren Gegnern an, die nicht nur im Nahkampf überlegen sind, sondern auch über dämonische Zauberkräfte verfügen. Besonders spektakulär umgesetzt sind die zahlreichen und extremen Bosskämpfe, die euch am Ende eines jeden Zirkels erwarten. So tretet ihr gegen Cerberus, den dreiköpfigen Höllenhund, an oder bietet Kleopatra die Stirn, die euch im Wollustzirkel zur Sünde verführen will. Alles so gut in Szene gesetzt, das man sich kaum dran sattsehen kann. Und wer einmal die Zügel über ein abscheuliches Höllenmonster selbst in die Hand genommen hat und dann ganze Berge versetzt hat, der spürt erst recht über welche Kräfte man verfügen kann.
Im Laufe der Zeit erlernt Dante immer mächtigere Kampftechniken, die er ohne Gnade seine Feinde spüren lässt. Während des gesamten Spiels seid ihr lediglich mit zwei Waffen ausgerüstet. Neben der Sense, die ihr dem Tod abgenommen habt, bekommt ihr mit dem Heiligen Kreuz eine mächtige Fernkampfwaffe in die Hand gedrückt, die mit Hilfe des Lichts Gegnern Schaden zufügen kann. Durch besondere Finishingmoves oder das Erlösen/Verdammen von rastlosen Seelen, die in der Hölle gefangen sind, könnt ihr Erfahrungspunkte verdienen, die ihr für neue Komboattacken ausgeben könnt. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Art und Weise, wie ihr euch den Geschöpfen gegenüber verhaltet. Erlöst ihr sie und lasst sie in die Sphären des Himmels aufsteigen, erhaltet ihr andere Erfahrungspunkte als wenn ihr sie für immer der Hölle überlasst. So lassen sich unterschiedliche Fertigkeiten freischalten. Gefundene Relikte und erlernte Zaubersprüche sorgen ebenfalls für eine gesteigerte Kampfkraft.
Die Schwierigkeitsgrade halten sich in Grenzen, auf der leichtesten Stufe ist man gut acht bis zehn Stunden beschäftigt ehe der Abspann über den Bildschirm flimmert. Dies liegt insbesondere daran, dass ihr relativ schnell neue Fertigkeiten freischalten könnt, die euch mächtiger werden lassen. Dadurch sind normale Kämpfe kaum noch eine Herausforderung, jedoch die Bossgegner brauchen hingegen schon spezielle Manöver um sie zu besiegen. Solltet ihr dann doch einmal sterben, versetzt euch das Spiel meistens nur wenige Meter vor den letzten Kampf zurück. Auch die zahlreichen Speicherpunkte sind mehr als fair gesetzt. Neue Energie und Lebenskraft tankt ihr an Brunnen, die nach dem einmaligen Gebrauch zerstört werden.
Während ihr euch durch die Zirkel hinab zum Grund der Hölle kämpft, müsst ihr zahlreiche Rätsel passieren, die so manches Mal gar nicht so einfach zu entschlüsseln sind. Zwar müsst ihr oftmals nur einen Hebel betätigen, um daraufhin in einer gewissen Zeitspanne eine neue Ebene zu erreichen, doch hin und wieder müsst ihr auch komplexere Rätsel auflösen. Schade ist nur, dass einige Passagen lediglich nach dem Try-and-Error-Prinzip zu lösen sind. Mehrfach muss Dante sich auch sportlich von seiner besten Seite zeigen, so schwingt ihr euch über bodenlosen Abgründe von Seil zu Seil, immer auf der Suche nach festem Untergrund. Der Nervenkitzel steht euch besonders dann ins Gesicht, wenn ihr noch über dem Abgrund hängt und das Seil bereits Feuer gefangen hat.
Grafisch wurde die Hölle brutal, grässlich und schauderhaft in Szene gesetzt. Im Zusammenspiel mit den hervorragenden Animationen der Feinde und insbesondere die der Bossgegner wirkt die Hölle in Dante's Inferno wie ein Ort, den ihr euch in den kühnsten Träumen nicht ausmalen würdet. Schade ist nur, dass kurz vor Schluss im vorletzten Zirkel sowohl grafisch als auch spielerisch einige Abzüge gemacht wurden. Zwischensequenzen werden mit einem Mix aus Manga, Spielgrafik und vorgerenderten Videos abgespielt.
Die geniale Grafik gepaart mit einem orchestralen Soundtrack sorgen insbesondere durch das qualvolle Geschrei und das permanente Seufzen der gepeinigten Seelen für einen Gruselfaktor, der euch auch nach dem Ausschalten der Konsole noch bewegt. Was ein wenig überrascht, ist die Tatsache das Dante's Inferno nicht geschnitten werden musste, obwohl das Spiel nicht mit heftigen Szenen geizt, wie z.B. im wollust-Abschnitt wo aus den übergroßen Brüsten von Kleopatra kleine ungetaufte Babys hervorkommen.