
Rennsimulationen haben immer einen schwierigen Stand, denn sie müssen zwei unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden: Sowohl Anfänger, als auch Fortgeschrittene und Profis müssen Spaß am Spiel finden. Doch während die einen auf eine einfache und unkomplizierte Steuerung angewiesen sind, möchten die anderen perfekte Bremspunkte, Ideallinien und Wetterverhältnisse mit einberechnen müssen. SBK X: Superbike World Championship versucht diesen Spagat hinzubekommen und für jeden Motorrad-Rennbegeisterten etwas in Petto zu haben.
Um sowohl für Neueinsteiger als auch für Alteingesessene interessant zu sein, haben sich die Entwickler von Milestone etwas cleveres ausgedacht: zwei unterschiedliche Modi. Da hätten wir auf der einen Seite den anfängerfreundlichen Acracade-Modus, sowie den knackigen und anspruchsvollen Simulationsmodus, die sich beide grundsätzlich voneinander unterscheiden.
Der Arcade-Modus punktet vor allem dadurch, dass man nicht viel Vorwissen besitzen muss, um hier anzufangen. Man kann gleich mit dem ersten Rennen beginnen und lernt die intuitive Steuerung nebenbei – learning by doing. Bremsfehler, Abweichen von der Ideallinie und kleine Kollisionen mit Gegnern sind kein Problem, so dass man im Rennen bleibt und durchaus einen kurzen Ausflug auf die Nebenpiste kompensieren kann. In diesem Modus geht es ganz klar um den reinen Spaß am Fahren und selbst Anfänger kommen schnell auf einen grünen Zweig und gewinnen ihre ersten Rennen. Beinahe unglaubliche Geschwindigkeiten können hier erreicht werden.
Der Simulationsmodus bietet hingegen etwas für alle Hardcorefans und Rennsportbegeisterten, denn einfach drauflos fahren ist hier nicht drin und würde unweigerlich zum letzten Platz führen. Zunächst startet man eine vollkommen neue Karriere und beginnt zunächst in der WSS Supersports-Serie zu fahren. Später geht es in der SBK Superbike- und STK Superstoke-Serie weiter. Gerade am Anfang der eigenen Karriere geht es nicht unbedingt darum, den ersten Platz zu erreichen, sondern das Glücklichmachen der Sponsoren hat einen weit höheren Stellenwert. Diese Stellen ziemlich unterschiedliche Aufgaben, wie zum Beispiel „Erreiche mindestens den achten Platz“ oder „Überhole Gegner X und Y“. Dafür bekommt man Geld und andere Boni und darf sogar beim Entwickeln neuer Motorradteile mitwirken.
Das Ausbalancieren des eigenen Bikes ist dabei von enormer Wichtigkeit, denn wie beim reellen Rennen können schon die kleinsten Unstimmigkeiten in der Abstimmung zu Zeitverlust und Fehlern führen. Also beginnt jedes neue Rennen zunächst mit Probetraining, um selbst das beste Setting zu finden. Doch auch an all jene, denen das nicht im Blut liegt, wurde gedacht: In einer Multiple-Choice-Unterhaltung mit dem Chefmechaniker werden die richtigen Änderungen übernommen, so dass man nicht selbst alle Einstellungen überprüfen muss.
Doch nicht nur die Abstimmung an sich ist wichtig – wer im Rennen Fehler begeht, bekommt das sofort zu spüren: Ein kleiner Verbremser sorgt für ein Schlingern des Hinterrades, eine Kollision mit einem anderen Rennfahrer meistens zum kompletten Verlust der Kontrolle und somit zu einem Sturz. Abweichen der Ideallinie sorgt für andere Bremspunkte und Zeiteinbußen. Dazu kommt noch Regen, der wieder alles über den Haufen wirft und für komplett neue Gegebenheiten sorgt. Ein weiterer Faktor ist der Rennbetrieb, denn je mehr Rennbetrieb ist, desto mehr Gummi beziehungsweise Kautschuk wird auf der Ideallinie verteilt und sorgt so für mehr Grip.
Dem Motorradliebhaber geht hierbei wirklich das Herz auf. Nicht nur, dass es absolut authentische und realistische Verhältnisse gibt, die rund 80 Bikes sind ebenfalls dank Lizenzen aus den Rennserien übernommen und dürften jedem Fan bekannt sein. Selbst die kleinsten Details werden gezeigt und sehen wirklich gut aus. Apropos gut aussehen: Die Grafik ist ein zweischneidiges Schwert, denn obwohl die Fahrer und Zweiräder wirklich schön anzuschauen sind, wirkt der Streckenrand und die –umgebung sehr eintönig und grobkörnig. Hier wurde einiges an Potential liegen gelassen.
Die Steuerung kann überzeugen: Der linke Stick sorgt für Lenkung, Beschleunigung und Bremse, wohingegen der rechte Stick zur Optimierung der eigenen Fahrweise benutzt werden kann und auch sollte: Bei Kurven legt sich hiermit der Fahrer perfekt in die Kurve, auf langen Geraden beugt er sich nach vorne und verschwindet fast gänzlich hinter der Windschutzscheibe, um so noch windschnittiger sein zu können. So können wertvolle Zehntel herausgeholt werden, um den Gegnern noch ein Stückchen weiter vorauszusein. Die Gegner sind auch ein Fall für sich: Sie wirken eher unkonzentriert, machen oft kleinere Fehler und stellen eigentlich kaum eine Gefahr für den Sieg da.
Ein weiterer Aspekt, der für ein jedes Rennspiel wichtig ist, ist der Multiplayer-Modus. Leider unterstützt SBK X: Superbike World Championship keinen Split-Screen-Modus, mit dem man mit einem Freund an der gleichen Konsole spielen könnte. Die einzige Möglichkeit gegen nicht computergesteuerte Gegner anzutreten, ist das Internet, in dem bis zu 16 Rennfahrer aufeinander treffen können. Und das macht auch durchaus Spaß.