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PS4
Bild des Benutzers Garrett84
PS4
Spielinfo
Deponia
Entwickler: 
Daedalic Entertainment
Publisher: 
F+F Distrubition
Releasedatum: 
15.11.2016
Genre: 
Adventure
USK: 
6
Webseite: 
www.deponia.de

Besser spät als nie: Die erfolgreiche deutsche Point-and-Click-Adventure-Reihe Deponia hat es seit Januar 2012 auf den Heimcomputern bereits auf vier großartige Ableger gebracht. Auf der PS4 feiert der erste Teil nun als Download- und Handelsversion einen tollen Einstand. Schade: Die Extras der limitierten PC-Edition wie Poster und Soundtrack hat man sich gespart.

Müll, Müll, Sondermüll!

Rufus ist der geborene Antiheld und als solcher Sympathiebolzen zugleich: Um dem Alltag des Müllplaneten Deponia zu entfliehen, setzt er alles daran, um zum Wolkenreich Elysium zu gelangen. Nach unzähligen gescheiterten Versuchen gibt er trotzdem nicht auf. Aus Fehlern lernt man schließlich, nicht so bei Rufus. Vielleicht liegt es an seiner mangelnden Konzentrationsfähigkeit, Beratungsresistenz, gepaart mit Naivität, Sturheit, Egoismus, Hochmut und Schwachsinn. Statt seinem großen Ziel näher zu kommen, verursacht er in aller Regelmäßigkeit ein heilloses Chaos und stellt das Nervenkostüm seiner Mitmenschen auf harte Proben. Durch die Begegnung mit der Elysianerin namens Goal tun sich jedoch neue Perspektiven auf, die auch die Aufmerksamkeit des böswilligen Organons auf den Plan rufen.

Mit viel Humor, zahlreichen Zwischensequenzen und der kreativen Erzählstruktur schafft es Deponia über bis zu zwölf Spielstunden bestens zu unterhalten. Insbesondere das Charakterdesign ist gut durchdacht und alles fügt sich hervorragend ins Szenario des verrückten Planeten voller Müll, Schrott und gelungener Anspielungen. Trotz der immer präsenten Bedrohung durch Bösewichte bleibt die Stimmung überwiegend positiv und nimmt auch ernsthafte Alltagsthemen gekonnt auf die Schippe. Noch nie kam ein Genrevertreter so nah an den Spaßfaktor der legendären Lucas-Arts-Abenteuer wie Monkey Island oder Day of the Tentacle heran. Je nach Geschmacksrichtung überflügelt Deponia die unverkennbaren Vorbilder in mancher Hinsicht sogar.

Point-and-Click nahe der Perfektion

Den ersten gravierenden Unterschied zur ursprünglichen PC-Version sieht man im angepassten Tutorial. War diese spielbare Einführung noch erfrischend lustig inszeniert und vertont, ist an dieser Stelle nicht mehr viel davon übrig geblieben. Letztendlich ist es wohl die einzige Anpassung, die misslungen ist. Den Zweck erfüllt es trotzdem, in erster Linie die grundlegenden Mechanismen möglichst simpel auf verständliche Art und Weise zu vermitteln. So können auch Einsteiger nachvollziehen, wie Deponia funktioniert.

Das Zauberwort heißt wie bei so vielen anderen Umsetzung vom PC: Direkte Kontrolle. Mit dem linken Analogstick wird Rufus direkt gesteuert. Zusätzlich gibt es noch eine Alternative, nämlich den rechten Analogstick als optionalen Cursor einzusetzen, genau wie bei einer Computermaus. Das klappt erstaunlich präzise, zumal die eingeblendeten Interaktionsmöglichkeiten um die Hotspots herum optisch nachvollziehbar dem Tastenlayout des Controllers nachempfunden sind. Der Interaktionspunkt mit dem geringsten Abstand zur Spielfigur wird dabei automatisch angewählt, mit L1 sowie R1 kann man zwischen allen weiteren im Raum befindlichen Objekten oder Personen hin- und herschalten.

Die X-Taste dient dementsprechend zur Benutzung von Objekten. Wird das Sprechblasensymbol eingeblendet, können Multiple-Choice-Dialoge geführt werden. Sodann erhält man eine Auflistung der möglichen Gesprächsoptionen. Der Spielverlauf macht davon regen Gebrauch, hieraus ergeben sich stellenweise Rätsel. Dann kommt es beispielsweise auf die richtige Antwort auf eine Frage oder die bestimmte Reihenfolge von Sätzen oder Wörtern an. Es ist aber auch herrlich viel Unsinn integriert, der einen Klick provoziert, nur um die Reaktion des Gegenübers zu erfahren.

Außerdem ist Rufus nie um einen lockeren Spruch verlegen und kommentiert so ziemlich alles, was man anklickt. Auch wenn sich vieles nach Unfug anhört, so enhält mancher Monolog doch zwischen den Zeilen hilfreiche Hinweise. Darüber hinaus gibt die Viereck-Taste gleichzeitig als Augensymbol zur genaueren Betrachtung von Objekten und Personen ausreichende Informationen preis. Im übersichtlichen Inventar werden alle Gegenstände gesammelt, die man aufnimmt. Zusätzlich zeigt das praktische Schnellinventar in der unteren Bildmitte ebenso alle Sammelobjekte an, die ganz einfach mit dem Steuerkreuz durchgeschaltet und mit der Spielumgebung dank Dreieck-Taste kombiniert werden können. Als standardmäßige Komfortfunktion wird die Auswahl natürlich auch direkt über dem Hotspot angezeigt.

Der kurzweilige Spielablauf gelingt mit diesen gelungenen Anpassungen angenehm flüssig. Dazu tragen die anspruchsvollen Rätseleinlagen bei, die in ihrer Verrücktheit perfekt ins abgedrehte Szenario passen. Insgesamt muss man gelegentlich um die Ecke denken, um auf die Lösung zu kommen, es bleibt jedoch überwiegend logisch und nachvollziehbar. Zur Auflockerung tauchen kleine Minispiele auf, die man Wunsch überspringen darf.

Technisch zeitlos

Grafisch ist Deponia eines dieser Machwerke, das auch noch in vielen Jahren noch ansehnlich sein wird. Das kann man bereits zur Veröffentlichung der optisch kaum veränderten Konsolenversion erkennen, denn die ursprüngliche PC-Fassung hat beinahe fünf Jahre auf dem Buckel. Hauptgrund dafür ist die unverkennbar liebevolle Handarbeit bis ins kleinste Detail, mit der ein stimmig-buntes Gesamtbild geschaffen wurde. Das ist schon eine Kunst für sich, wenn die Umgebung überwiegend aus Müll, Abfall und Schrott besteht. Sämtliche Figuren sind witzig und flüssig animiert, visuell hat man für jede Aktion eine überspitzte Lösung parat. Gestik und Mimik bewegen sich auf herausragendem Niveau.

Für den akustischen Hörgenuss greifen ebenso mehrere Faktoren gekonnt ineinander. Professionelle deutsche Sprecher sind bis in die kleinsten Nebenrollen besetzt, auch Geräuscheffekte sowie Musikuntermalung sind sehr gut. Der bereits als Komiker bekannte Monty Arnold glänzt hier in einer Doppelrolle, wenn er Spielheld Rufus und seinem Widersacher vertont und dabei so ziemlich alle launigen Stimmungsfacetten auf den Punkt zelebriert. Die urkomischen Übergänge zwischen den Kapiteln singt übrigens inklusive Gitarrenunterstützung der bekannte Autor, Musiker, Regisseur und Spieldesigner Jan „Poki“ Müller-Michaelis.

Pro und Contra
  • Toll angepasste Controller-Steuerung
  • Liebevolle, detaillierte Comic-Grafiken
  • Großartige Vertonung 
  • Witzigkeit kennt hier keine Grenzen
  • Durchdachte Rätsel
  • Fehlende Extras der PC-Version
  • Liebloses Tutorial
  • Happiger Preis im Gegensatz zu den erhältlichen PC-Fassungen
Bewertung
Gameplay: 
9
Steuerung: 
10
Grafik: 
9
Sound: 
10
Multiplayer: 
0
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 91
Fazit von: 
Christian Schmitz
Deponia ist auch auf der PS4 ein herausragendes Abenteuer: Rätsel, Humor, Charaktere, Spielwelt, usw. - hier stimmt nahezu alles. Dabei ist es erst der Auftakt einer Reihe, die sich zumindest auf den Heimcomputern dieser Welt sogar noch steigern konnte. Falls die anderen Teile auch noch für die PS4 umgesetzt werden, dürfen sich nicht nur Genre-Anhänger ungemein freuen. Die Anpassungen sind mehr als gelungen, nur die fehlenden Extras und der im Vergleich zu den PC-Fassungen hohe Preis stören, ändern aber am Spielspaß nichts.

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