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PS4
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PS4
Spielinfo
Nioh
Entwickler: 
Team Ninja
Publisher: 
Sony
Releasedatum: 
08.02.2017
Genre: 
Action-RPG
USK: 
16
Webseite: 
www.teamninja-studio.com/nioh/

Totgesagte leben länger: Was vor 13 Jahren als kaum beachteter Actiontitel in der Entwicklungsendlosschleife begann, sorgt nun bei der Veröffentlichung durch seine Neuausrichtung für einen ungeahnten Hype. Dass Nioh weitaus mehr kann, als von großen Vorbildern wie Dark Souls und Ninja Gaiden abzukupfern, zeigt das fertige Spiel mit durchdachten Ideen und dem konsequent anspruchsvollen Härtegrad. 

Historie trifft Fantasie

Erzählt wird die ausgeschmückte Geschichte von William Adams, einer real existierenden Person, die vor etwa 400 Jahren tatsächlich lebte und noch heute als erster europäischer Samurai gilt. Der spielbare Prolog startet sein Abenteuer im April 1598 im Kerker des Tower of London, wo ihm eine mehr oder weniger erfolgreiche Flucht gelingt. Am Ende dieses kurzen Abschnitts trifft er auch auf den Antagonisten, nämlich den unheimlichen Magier Edward Kelley, der ihm etwas Wichtiges entreißt. Daraus resultiert seine Motivation, dem Bösewicht um die halbe Welt zu folgen, um schließlich zwei Jahre nach den Ereignissen ein scheinbar verlassenes Fischerdorf an der Küste Japans zu betreten. Hier trifft Adam nicht nur auf andere historische Figuren, sondern vielmehr auf gefährliche Banditen und gruselige Dämonen aus japanischen Mythen. 

Die Story zieht ihre Faszination aus dem interessanten Szenario und historischen Hintergrund der Hauptfigur William Adams. Zahlreiche gerenderte Zwischensequenzen setzen nicht nur besondere Begegnungen in Szene, sondern spinnen den fantasievoll ausgedachten Plot über eine umfangreiche Spielzeit von vielen Stunden weiter. Laut Entwicklerangaben erstreckt sich das Erlebnis auf etwa 70 Stunden. Diese Einschätzung kann man durchaus teilen, wenngleich es je nach Spielweise und den damit verbundenen Erfolgen und Frustmomenten, die nach Fortschritten wieder weit zurückwerfen können, große Abweichungen geben kann.

Harte Mischung mit neuen Impulsen

Nioh versteht sich als Action-Rollenspiel der so genannten “Masocore“-Kategorie, also nochmal eine ganze Spur erbarmungsloser als 99 Prozent der anderen Videospiele. Das restliche Prozent beanspruchen Titel wie Demon Souls, Dark Souls oder Ninja Gaiden für sich. Genau an diesen Vorbildern orientiert man sich, kann aber auch eigene Akzente setzen. Relativ eigenwillig gestaltet sich bereits der Beginn: So wird dem im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtigen Tutorial der spielbare Prolog vorgezogen. Kann man so machen, ist aber eher ungewöhnlich und trotz des anfänglich vergleichsweise niedrigen Schwierigkeitsgrades dürften sich hier bereits einige Neueinsteiger schwer tun.

Aus der übersichtlichen Third-Person-Ansicht bewegt sich William angenehm flott durch die offenen Gebiete, zumindest bis Gegner ins Sichtfeld geraten. Die Auseinandersetzungen haben es nämlich in sich und erfordern höchste Konzentration. Dabei sind die Schwächen der KI unübersehbar, wenn sie uns trotz offensichtlichen Blickkontakts relativ spät bemerken, viele von ihnen teilnahmslos in der Gegend herumstehen oder ihre vorhersehbaren Routen ablaufen. Der Eindruck täuscht, denn sie benötigen mitunter nur wenige Augenblicke, um uns zu besiegen. Daher gilt es unbedingt, bestimmte Grundregeln zu beherrschen. 

Widersacher mittels Zielerfassung zu fixieren entschärft nicht nur regelmäßige Kameraprobleme sondern ist genauso wichtig wie einzelne Feinde mit Steinwürfen anzulocken und es so auf ein Duell ankommen zu lassen. Direkte Konfrontationen mit Gruppen gestalten sich hingegen chaotisch und sind von vornerein wenig erfolgversprechend. Ausgerüstet mit je zwei aufwertbaren Nahkampf- sowie Fernkampfwaffen wie Katana, Doppelkatana, Axt, Speer, Kusarigama, Hammer oder Bogen kommt es dann auf das perfekte Timing bei leichten und starken Angriffen, Kombos, Paraden sowie Ausweichmanövern an. Idealerweise schaltet man aus der Distanz bereits Einzelgänger mit dem zielsicheren und für viele Geschmäcker sicherlich übermächtigen Fernkampfgerät aus. Meist reicht ein gezielter Schuss völlig aus. Zur Belohnung sammelt sich Amrita auf dem Konto, also Seelen, was wiederum sinnvoll in acht Charakterattribute investiert wird.

Weitere wichtige Faktoren verleihen dem Kampfsystem die besondere Würze. So darf man taktisch anspruchsvoll zwischen drei Nahkampf- und Verteidigungshaltungen wählen: Hoch steht man aggressiv und kraftvoll bei vernachlässigter Defensive, Mittel ist als Standardstil eine gesunde Mischung aus solider Angriffskraft und guter Verteidigung während Tief sich perfekt zum Ausweichen anbietet. Damit sich das alles nicht zu stumpf gestaltet, grätscht die dynamische Ausdaueranzeige rein. Das so genannte Ki leert sich nämlich bei jeder Aktion schneller als man fluchen kann. Ist die Leiste erschöpft, ist vorübergehend keine Reaktion mehr möglich. Deshalb sollte man regen Gebrauch vom Ki-Impuls machen, also zum richtigen Zeitpunkt die R1-Taste drücken um schnellstens zu regenerieren. Ein Hauptaugenmerk sollte in dem Zusammenhang auch unbedingt auf das Ausrüstungsgewicht gelegt werden, denn je schwerer der Abenteurer ausgerüstet ist, desto langsamer agiert er.

Als entscheidend erweist sich außerdem der ausgewählte Schutzgeist, der vorübergehend unverwundbar macht und nützliche Effekte auslöst. Der Wolf Kato als Schutzgeist des Feuers stärkt die Angriffskraft, der Hai Isonade als Wassergeist die Defensive und Daiba-Washi als Falke des Windes die Ausweichfähigkeit. Alles andere kennt ähnlich aus der Souls-Reihe. Die absoluten Höhepunkte im ohnehin schon spannungsgeladenen Spielablauf sind die einfallsreichen Bosskämpfe, die dem Spieler alle erlernten Fähigkeiten abverlangen. Im Level verteilte Schreine dienen als Speicherpunkte, bei Aktivierung stehen aber alle erledigten Gegner wieder von den Toten auf. Praktischerweise können mit zunehmendem Fortschritt Abkürzungen freigeschaltet werden und es führen oftmals mehrere Wege zum Ziel. Wer sich mit Nioh auseinandersetzt, wird noch viele weitere Elemente und Feinheiten finden. Wir kratzen mit diesen Textzeilen tatsächlich nur an der Oberfläche eines überaus komplexen und durchdachten Videospiels. Wer sich mit Nioh ernsthaft auseinandersetzt, wird noch viele weitere Besonderheiten finden.

Zusätzlich ist das Spiel mit einer interessanten Mehrspielerkomponente ausgestattet. Der kooperative Modus ist auf zwei Spieler begrenzt und setzt eine aktive Mitgliedschaft bei PlayStation Plus voraus. Vor Beginn einer Mission wird auf der Weltkarte die Torii-Pforte ausgewählt und der Partner eingeladen. Will man einem anderen Spiel beitreten, funktioniert dies über Zufallsbegegnungen. Während laufender Missionen kann durch die Interaktion mit den Schreinen der Mitspieler herbeigerufen werden. Leider trüben fragwürdige Schikanen den Spaß. Koop-Partner dürfen nur zusammenspielen, wenn sie die gewünschte Mission im Einzelspielermodus erfolgreich absolviert haben, selbst wenn sie auf dem gleichen Stand sind. Spieler-gegen-Spieler-Auseinandersetzungen (PvP) sollen erst nach Veröffentlichung eines angekündigten Gratisupdates möglich sein.

Reich und schön

Grafisch wird das feudale Japan trotz veralteter Technik stimmungsvoll präsentiert. Es bietet zwar nicht die imposanten Bauten der Souls-Reihe, doch die Welt ist auf ihre eigene Art und Weise sehenswert gestaltet. So kann man sich fernöstliche Landschaften und Figuren mit einer fantasievollen Prise Mythologie im ausklingenden 16. Jahrhundert gut ansehen. Erwähnenswert sind die Anpassungen für die PS4 Pro: HD-Geräte und auch 4k-Displays werden mit jeweils zwei Optionen versorgt, nämlich den schöneren Film- und den flüssigeren Actionmodi mit einer Bildwiederholrate von 30 bzw. 60 fps bei einer Mindestauflösung von 1920x1080.

Überflüssig sind dagegen Anzeigen am rechten Bildschirmrand, die man sich hätte sparen können. Das betrifft den kaum genutzten Kompass, Haltung und Waffe werden ohnehin visuell gelungen dargestellt. Nichts zu meckern gibt es dafür am großartigen Soundtrack und der beeindruckenden Geräuschkulisse. Deutsche Sprache wird ausschließlich in Textform geboten, alle Figuren beherrschen nämlich ihre Muttersprache, also englisch und japanisch.

Pro und Contra
  • Griffiges Gameplay
  • Tolles Leveldesign mit mehreren Wegen zum Ziel
  • Starke Bossgegner
  • Großartiger Soundtrack
  • Stimmungsvolle Optik
  • Lange Spielzeit
  • Frustpotenzial für Neueinsteiger
  • Kooperativer Mehrspielermodus mit Schikanen
  • Gelegentliche Kameraprobleme
Bewertung
Gameplay: 
9
Steuerung: 
9
Grafik: 
7
Sound: 
9
Multiplayer: 
6
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 84
Fazit von: 
Christian Schmitz
Nach einer schier endlosen Entwicklungsodyssee ist Nioh ein überraschend guter Vertreter seines Genres geworden. Wo ich mit vergleichbaren Titeln nie richtig warm geworden bin, hat mich das feudale Japan sofort in seinen Bann gezogen. Das motivierende Rollenspiel punktet insbesondere mit dem durchdachten Kampfsystem und der gelungenen Mischung aus Historie und Fantasie. Wer sich auf den herausfordernden Schwierigkeitsgrad einlässt, dürfte für viele Stunden am Bildschirm gefesselt werden. Absolute Fans des Genres können bedenkenlos zugreifen.

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