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PS4
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PS4
Spielinfo
Yakuza 0
Entwickler: 
SEGA
Publisher: 
SEGA
Releasedatum: 
24.01.2017
Genre: 
Action-Adventure
USK: 
18
Webseite: 
http://yakuza.sega.com/yakuza0

Das neue Jahr ist noch jung, doch steht bereits ganz im Zeichen von exklusiven PS4-Veröffentlichungen. Ein Großteil davon kommt aus Fernost, darunter mit Yakuza 0 auch das Prequel zur Yakuza-Reihe, welches bereits seit 2015 in heimischen Gefilden erhältlich ist. Erstmals wird die aktuelle Konsolengeneration bedient.

Von Aufsteigenden Drachen und Verrückten Hunden

Im Japan des ausklingenden Jahres 1988 macht sich an beinahe allen Ecken und Enden der Wirtschaftsboom bemerkbar. Die Straßen von Kamurocho und Sotenbori, den Vergnügungsvierteln von Tokio und Osaka, platzen aus allen Nähten. Das Geld wächst hier förmlich auf den Bäumen. Doch wo viel Zaster fließt, da machen sich auch die Yakuza-Clans breit. Kazuma Kiryu, der Aufstrebende Drache von Dojima und Goro Majima, der so genannte Verrückte Hund von Shimano, sind trotz ihres jungen Alters bereits voll in die kriminellen Machenschaften involviert. 

Kiryu wird Opfer einer Intrige und aus seiner Organisation verbannt. Majima hingegen ist ein exzentrischer Nachtclub-Besitzer, der aus heiterem Himmel einen unmoralischen Mordauftrag erhält. Als Belohnung winkt die herbeigesehnte Rückkehr in die Reihen der Yakuza. An diesem Punkt beginnen sich die Handlungsstränge der beiden ineinander zu verstricken und die umfangreiche Geschichte entwickelt sich gewohnt wendungsreich und dramatisch.

Die spannende Hauptstory bietet durch den enormen Tiefgang, vielschichtige Charaktere und ausufernde Dialoge mit über 30 Stunden in 17 Kapiteln eine umfangreiche Spielzeit. Durch seine Thematik und die schonungslose Inszenierung ist auch Yakuza 0 genau wie seine Vorgänger in dieser Hinsicht ein interaktiver Gangster-Film mit ernsthaftem Unterton und herausragender Regie. Dabei stechen insbesondere die hochwertigen Render-Videos hervor, die gekonnt die ganze Palette an Emotionen übertragen. Die zahlreichen Einblendungen in Spielgrafik können da leider nicht ganz mithalten, dafür wirken hier Mimik und Gestik vergleichsweise lieblos. Wer sich trotz des 1980er-Jahre-Settings nun ein GTA: Vice City im Japan-Szenario erhofft hat, dürfte jedoch durch eine deutlich dezentere Umsetzung auf hohem Niveau enttäuscht werden.

Mach doch was du willst

Kamurocho und Sotenbori dürften Yakuza-Fans bereits aus allen anderen Teilen als Schauplätze bekannt sein. Flächenmäßig können diese überhaupt nicht mit riesigen Sandbox-Titeln wie Far Cry, Just Cause oder GTA mithalten. Dafür sind sie im wahrsten Sinne des Wortes Spielplätze, in denen gefühlt jeder Quadratmeter sinnvoll genutzt wurde. Und zwar nicht nur mit Restaurants oder Geschäften, sondern vielmehr mit unterhaltsamen Substories. So gibt es insgesamt 100 Nebenmissionen (60 für Kiryu, 40 für Majima), die abseits der seriösen Hauptstory von lustig bis pervers ganz andere Stimmungslagen bieten. Beispielsweise kann man hier einmal als Filmproduzent fungieren oder einen Handelsring für benutzte Damenunterwäsche zerschlagen.

Außerdem werden kurzweilige Beschäftigungsmöglichkeiten geboten: Darts, Bowling, Poolbillard, Karaoke, Catfights-Wetten, Mahjongg, Angeln, Spielzeug-Autorennen, Kartenspiele und sogar SEGA-Videospielautomaten inklusive den Klassikern Space Harrier, Fantasy Zone, Outrun oder Super Hang-On. Manche dieser Minispiele sind sogar Teil des Mehrspielerparts: Darts, Poolbillard, Tanzen und Bowling kann man an einem Bildschirm spielen, Mahjongg, Poker und ein Würfelspiel sogar online. Zusätzlich ist im Hauptmenü noch ein Herausforderungsmodus verfügbar.

Des Weiteren ist die Serie für sein Kampfsystem ähnlich eines brutalen 3D-Brawlers bekannt. Auch im Prequel werden Schellen am laufenden Band verteilt. Dank der guten Steuerung gehen die Abläufe schnell in Fleisch und Blut über, gelegentliche Kameraprobleme in kleineren Arealen stören dabei nur geringfügig. Beide Spielfiguren verfügen über jeweils drei verschiedene Techniken, die dank Geld und Training verbessert werden können. Kiryus Standardstil nennt sich Brawler und ist eine ausgewogene Mischung aus Schnelligkeit und Durchschlagskraft. Beast bietet sehr starke aber langsame Angriffe, Rush hingegen flotte Schläge und Ausweichmanöver bei weniger Power.

Im direkten Vergleich machen die Auseinandersetzungen mit Goro Majima noch einen Funken mehr Spaß: Thug entspricht dem Standard seines Pendants. Mit Slugger zückt er jedoch seinen unzerstörbaren Baseball-Schläger. Als Breaker vollführt er schließlich besonders sehenswerte und wahnwitzige Breakdance-Manöver, die mit ihrer hohen Reichweite perfekt für größere Gegneransammlungen sind. Lobenswert: Umgebung und Objekte lassen sich in die Scharmützel mit einbeziehen. Wer übrigens wenig Lust auf schlagfertige Begegnungen hat, kann ab einem bestimmten Zeitpunkt im Spiel Geld werfen, um Freund und Feind mit den herumliegenden Moneten abzulenken.

Yakuza 0 ist natürlich auch ein Rollenspiel. Im übersichtlichen Inventar lassen sich Gegenstände, Tränke und Essbares verstauen. Darüber hinaus gibt es Ausrüstung, Waffen und dementsprechend auch Händler für derlei Bedürfnisse. Nicht nur die Kampftechniken lassen sich aufwerten, sondern auch verschiedene Charakterwerte und Vorteile. An Schreinen lassen sich durch verdiente CP (Completion Points) so drei Kategorien aufbessern, nämlich Adventure (Abenteuer), Battle (Kampf) sowie Business (Geschäftliches).

Hinter letzterem versteckt sich ein weiteres Untergenre, ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftssimulationspart. So lässt sich aus Nebentätigkeiten als Immobilienhändler oder Nachtclub-Manager enorm viel Profit schlagen. Unglücklicherweise sind diese optionalen Möglichkeiten als Tutorial und erste Versuche fest in der Haupthandlung verankert und reißen an diesen Stellen aus dem eigentlichen Hauptgeschehen weil sie nichts mit dem Fortschritt des Plots zu tun haben.

Altbewährte Technik

Grafisch kann das Geschehen seine Wurzeln trotz Optimierungen nur schwer verbergen. Kein Wunder, schließlich erschien der Titel bereits vor zwei Jahren in Fernost parallel für die PS3. Auf der PS4 fällt die Darstellung flüssiger und dank höherer Auflösung insgesamt hübscher aus. Zu den feineren Texturen gesellen sich aber auch immer wieder matschige Muster aus dem Entwicklerbaukasten. Die bekannten Technikschwächen der Vorgänger konnten auf der aktuellen Konsolengeneration deutlich minimiert werden, ohne sie jedoch komplett auszumerzen: Ladezeiten, Clipping-Fehler, Kantenflimmern, Pop-ups, ausdrucklose Standardgesichter und die staksige Gestik und Mimik während der Dialogsequenzen in Spielgrafik sind immer noch bemerkbar.

Eine deutsche Lokalisierung fehlt komplett, stattdessen glänzt die gewohnt grandiose japanische Sprachausgabe mit englischen Untertiteln, die man auch nicht mehr missen möchte. Die Musikuntermalung variiert sehr stark und reicht von treibenden, anpeitschenden Aggressionsklängen über schwitzenden Disco-Sound bis hin zu ruhigen Klängen am Klavier.

Pro und Contra
  • Grandiose Erzählung
  • Großartige Video-Sequenzen
  • Zwei spielbare Charaktere
  • Viele Nebenbeschäftigungen
  • Lebendige Spielwelt
  • Altbackene Grafik
  • Sequenzen in Spielgrafik fallen qualitativ ab
  • Keine deutsche Lokalisierung
  • 80er-Jahre-Setting lange nicht ausgeschöpft
  • Kameraprobleme in kleinen Arealen
Bewertung
Gameplay: 
8
Steuerung: 
8
Grafik: 
6
Sound: 
9
Multiplayer: 
6
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 85
Fazit von: 
Christian Schmitz
Das ist auch eine Kunst: Zwar recycelt sich Yakuza seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue, kann aber auch mit dem neuesten Teil begeistern und zum Durchspielen anregen. Die spannende, wendungsreiche und dramatische Story überzeugt, viele Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der altbekannten Schauplätze, die für Kenner wie eine virtuelle Heimat geworden sind, sorgen für zusätzlichen Spielspaß. Neueinsteiger und Fans freuen sich über ein schlagfertiges Prequel.

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