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Xbox One
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Xbox One
Spielinfo
Dishonored 2
Entwickler: 
Arkane Studios
Publisher: 
Bethesda
Releasedatum: 
11.11.2016
Genre: 
Action
USK: 
18
Webseite: 
www.dishonored.de

Gilt der 11.11. für Karnevalisten seit jeher für den Start in die 5. Jahreszeit, so ist das Datum für Videospieler, die auch gerne in eine andere Rolle schlüpfen, mit interessanten Veröffentlichungen verbunden. Diesmal erscheint mit Dishonored 2 der Nachfolger zum überraschenden Stealth-Action-Hit aus dem Jahr 2012. Als konsequente Fortsetzung mit sinnvollen Neuerungen begeistert das Abenteuer über viele Stunden und stellt einen Höhepunkt des ausklingenden Spieljahres dar.

Ein Fall für Zwei

Dishonored 2 setzt genau 15 Jahre nach den Geschehnissen des Vorgängers an, also den Feierlichkeiten zum Todestag von Kaiserin Jessamine. Ausgangspunkt ist wiederum Dunwall, Hauptsitz des Kaiserreichs. Wer mit dem Gedanken spielen sollte, sich ohne Vorkenntnisse ins zweite Abenteuer zu stürzen, dürfte trotz aller Bemühungen des Spiels schnell an seine Grenzen stoßen. Dank der überarbeiteten Dishonored: The Definitive Edition inklusive sämtlicher Downloadinhalte bietet der Markt jedoch eine tolle Nachholgelegenheit. Mittlerweile ist nämlich Emily, Tochter der verstorbenen Jessamine, Herrscherin des Kaiserreiches.

Die Zwischenzeit wurde ausgiebig genutzt, um sich von ihrem Ziehvater, Corvo, in Kampf- und Schleichkunst unterrichten zu lassen. Während der besagten Festlichkeiten kommt es zum Staatsstreich durch Delilah, ein bekannter Charakter der Dishonored-DLCs, die den Thron für sich in Anspruch nimmt. Früh werden Spieler also vor die Wahl gestellt, mit welcher Figur man die Rachestory bestreiten möchte: Emily oder Corvo. Hinsichtlich der Story ergeben sich dadurch unterschiedliche Dialoge, der grobe Ablauf bleibt gleich. Nach der Flucht aus Dunwall müssen Missionen absolviert werden, um das Reich ein weiteres Mal zu befreien.

In neun Kapiteln plus Epilog erzählt Dishonored 2 eine routiniert vorgetragene Geschichte ohne erzählerisch neue Maßstäbe zu setzen. Dabei ist der Beginn verheißungsvoll und der Umstand, dass der Großteil der Kampagne im Geburtsland Corvos stattfindet, nämlich Karnaca auf der Insel Serkonos, birgt enorm viel Potenzial, um zumindest eben jene Figur charakterlisch weiterzuentwickeln. Diese Möglichkeiten bleiben jedoch weitestgehend ungenutzt und auch alte Bekannte aus dem Vorgänger bleiben relativ blass. Vielmehr punktet das viktorianische Steampunk-Setting dank dichter Atmosphäre: Alles wirkt wie aus dem 19. Jahrhundert in ein abwechslungsreiches, durchdachtes Gemälde gebannt.

Dabei orientiert man sich bei der Architektur insbesondere an südeuropäischen Schauplätzen dieser Zeit wie Spanien, Italien oder Griechenland. Unzählige Hintergrundinformationen zur Spielwelt sind verstreut und finden sich beispielsweise neben dem Offensichtlichen in Audiobiographen, Briefen, Tagebüchern und Zeitungsartikeln. Dazu gesellen sich interessante Elemente wie Windkraft oder Strom durch Walöl. Je nach Vorgehensweise ergibt sich eine Spielzeit von 10 bis 20 Stunden. Erinnerungswürdige Höhepunkte sind beispielsweise das flexible Maschinenhaus, ein prunkvoller Palast oder das verfallene Herrenhaus, welches mithilfe von Zeitspielereien wieder in altem Glanz erstrahlt.

Meucheln für Fortgeschrittene

Der Anspruch richtet sich in allen vier Schwierigkeitsstufen an Fortgeschrittene und Profis. Das spielbare Tutorial erklärt nur die grundlegenden Möglichkeiten von Schleichen und Kämpfen, ohne auf die Kräfte von Emily und Corvo einzugehen. In dieser Hinsicht hebt sich der Titel nämlich von anderen Genrevertretern wie Thief ab: Im großen Nichts bietet der so genannte Outsider nur wenigen Auserwählten das Zeichen an.

War man im Vorgänger noch gezwungen, das Angebot anzunehmen, so darf man es im aktuellen Ableger auch ablehnen und gänzlich ohne Unterstützung fortfahren. Letztere Wahl macht eine ohnehin schon schwieriges Unterfangen nochmal ungleich herausfordernder. Zusätzlich erhält man das Herz der verstorbenen Kaiserin, ein mystischer Gegenstand, das beim Aufspüren von Runen und Knochenartefakten hilft. Wenn man es drückt, verrät es je nach aktueller Position Geheimnisse über Schauplätze und Personen.

Mit den gefundenen Runen lassen sich Kräfte sowie Verstärkungen freischalten und aufwerten. Weil Emily und Corvo über verschiedene Varianten verfügen, ergibt sich hier ein gewisser Wiederspielwert, auch weil man im Spiel nicht mehr beliebig zwischen ihnen hin- und herwechseln kann. Während beide alle passiven Verstärkungen (Stärke, Vitalität, Reflexe, Beweglichkeit, Blutdurst, Knochenhandwerk, Schattentod) und die Kraft Nachtsicht (verbesserte Sicht im Dunkeln und Relevantes durch Wände sehen) teilen, haben sie jeweils fünf exklusive Fertigkeiten im Repertoire. Während sich bei Corvo Bekanntes wiederfindet wie Teleportieren, Zeitverlangsamen, Windstoß, tödlicher Rattenschwarm und Beherrschung, bringt Emily frischen Wind ins Spiel.

Per Domino lassen sich mehrere Ziele miteinander verbinden, die dann ein und dasselbe Schicksal teilen, beispielsweise die Wirkung eines Betäubungspfeils. Mittels Doppelgänger wird ein Schatten beschworen, der Gegner anlockt. Dank Schattengang nimmt die Sichtbarkeit ab, beim Mesmerisieren betört ein Geist die Widersacher und löscht sogar ihr Kurzzeitgedächtnis. Mit Weitreichen lassen sich nicht nur größere Distanzen überwinden, sondern auch Personen und Objekte heranziehen. Bis zu zehn Knochenartefakte bergen weitere kleine Vorteile, etwa schnellere Bewegungen beim Schleichen oder Tragen von Leichen.

Die Fähigkeiten machen viel Spaß, weil das offene Leveldesign ohnehin mehrere Wege zum Ausprobieren anbietet. Im Spielverlauf hat sich eine vorausschauende Mischung aus Schleichen und gezielten Meuchelattacken bewährt. Dabei beeinflusst die Spielweise die Umgebung, je mehr man tötet, desto zynischer kommentieren Emily, Corvo und Konsorten das Geschehen. Außerdem führt zu viel Chaos zu spürbar schlimmeren Blutfliegenbefall und einem düsteren Ausgang der Handlung. Das hört sich leichter an als es letztendlich ist, denn Gegner wie Stadtwachen, Hexen oder Maschinen sind zahlreich vertreten und unheimlich aufmerksam.

Sie merken in der Regel sofort, wenn man aus der scheinbar sicheren Deckung hervor lehnt, Türen öffnet, Geräusche erzeugt oder zuvor ausgeschaltete Opfer nicht versteckt hat. Selbst Zivilsten schlagen in der Regel sofort Alarm, wenn sie sich schon durch unsere Anwesenheit gestört fühlen. Weil die Schleichmechanik zudem auf eine Sichtbarkeitsanzeige oder die Relevanz von Licht und Schatten verzichtet, sind Konfrontationen beinahe unausweichlich.

Wenn selbst raffinierte Ablenkungsmanöver nicht mehr helfen, beispielsweise durch Wecker oder Wurfobjekte, kommt das übersichtliche Waffenarsenal zum Einsatz. Mit Klinge, Pistole und Armbrust inklusive verschiedener Bolzen (Blenden, Betäuben, Brennen, Töten) mutiert Dishonored 2 augenblicklich zum brutalen Splatter-Spektakel mit Blutfontänen und abtrennbaren Gliedmaßen. Das Kampfsystem ist flott, erfordert aber eine gewisse Eingewöhnungszeit, wobei sich eine kluge Kontertaktik bewährt hat. Insbesondere bei Scharmützeln mit mehreren Widersachern kommt der Tod schnell, weil sich niemand zurückhält und die Lebensenergie nicht automatisch regeneriert. Im Zweifel sollte also reger Gebrauch der Schnellspeicherfunktion gemacht werden.

Die grobe Missionsstruktur folgt simplen Mustern: Per Beiboot wird man von der Dreadful Wale, einem als Hauptquartier dienenden Schiff, zum Startpunkt gebracht. Im Grunde genommen geht es immer wieder darum, bestimmte Zielpersonen auszuschalten, Wegpunkte zu erreichen und Informationen zu beschaffen. Wer den Gesprächen von Freund und Feind aufmerksam lauscht, erhält noch wichtige Zusatzinformationen, die in der Regel das Vorankommen erleichtern oder Alternativrouten offenbaren. Daraus ergeben sich sogar optionale, nicht selten reizvolle Nebenaufträge, die die Ausflüge noch verlängern. Außerdem lohnt sich ein Abstecher zum Schwarzmarkthändler, der Ausrüstungsgegenstände und Upgrades anbietet.

Abgefahrene Architektur

Für die Grafik zeichnet eine stark modifizierte Weiterentwicklung der id-tech 5 (u. a. Wolfenstein: The New Order) namens Void verantwortlich. Was auf dem PC noch für viele technische Probleme sorgt, funktioniert auf den Konsolen bis auf wenige Ausnahmen tadellos. Das Gesamtbild ist deutlich detaillierter und insbesondere die im Vorgänger übertrieben dargestellten, groben Fehlproportionen des Vorgängers wurden deutlich entschärft. Karnaca wirkt im Gegensatz zu Dunwall farbenfroh und abwechslungsreich.

Das Artdesign könnte mit beeindruckender Architektur und bewusst leicht verwaschenen Texturen direkt aus einem schönen Gemälde abgepaust sein. Ein stimmungsvoller Soundtrack, die Soundkulisse auf Referenzniveau sowie die professionelle deutsche Sprachausgabe (u. a. Manfred Lehmann, die Synchronstimme von Bruce Willis) runden das Werk ab.

Pro und Contra
  • Mehrere Lösungswege (Stealth + Action)
  • Kunstvolle Architektur
  • Tolle Soundkulisse
  • Hoher Wiederspielwert
  • Angenehme Spielzeit (10 - 20 Stunden)
  • 08/15-Story 
  • Blasser Bösewicht
  • Übertriebene Brutalität
  • Langweiliges Hauptquartier
Bewertung
Gameplay: 
9
Steuerung: 
8
Grafik: 
8
Sound: 
10
Multiplayer: 
0
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 87
Fazit von: 
Christian Schmitz
Dishonored 2 bietet das Kontrastprogramm zum bleihaltigen Shooter-Winter 2016: Weder Call of Duty: Infinite Warfare, Battlefield 1 oder Titanfall 2 bieten so viele erfolgversprechende Wege zum Ziel. Insbesondere die Schleichmechanismen greifen so gnadenlos ineinander, verzeihen so wenig Fehler und fordern Genre-Anhänger wie kaum ein anderer Titel der letzten Jahre. Leider reicht es nicht zum ganz großen Wurf, denn Story und Charakterentwicklung enttäuschen im Gegensatz zum restlichen Spiel mit überraschender Einfallslosigkeit.

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