Reviews

Xbox One
Bild des Benutzers Garrett84
Xbox One
Spielinfo
Gears of War 4
Entwickler: 
The Coalition
Publisher: 
Microsoft
Releasedatum: 
11.10.2016
Genre: 
Third-Person-Shooter
USK: 
18
Webseite: 
https://gearsofwar.com

Die Gears sind zurück: Mit dem Comeback der beliebten Action-Reihe, die auf Xbox 360 seiner Zeit Maßstäbe setzte, liefert Entwickler The Coalition nach der Neuauflage Gears of War: Ultimate Edition eine offizielle Fortsetzung. Ob Gears of War 4 die Mischung aus erfolgversprechender Tradition und mutigen Neuerungen hinbekommt, zeigt das Review.

Wie Fenix aus der Asche

Der Einstieg ist stark, bleibt aber überraschend lange der einzige Lichtblick einer durchwachsenen Kampagne mit etwa sieben bis neun Stunden Spielzeit: Während kurzer Rückblenden nimmt man ohne große Umschweife an den Pendulum-Kriegen teil und trifft bereits zu Beginn auf bekannte Figuren des Gears-Universums. Einen besseren Fan-Service können sich erfahrene Spieler der Vorgänger kaum vorstellen, wenn es bereits in den ersten Momenten mit ikonischen Waffen wie Lancer oder Hammer der Morgenröte gegen fiese Feindscharen der Locust knallhart zur Sache geht. Es könnte so schön sein, doch die Euphorie währt nicht lange und schon wird man unsanft aus dem Traumstart herausgerissen.

Was folgt ist nämlich eine qualitative Achterbahnfahrt in 5 Akten, in denen sich das neue Team plötzlich mit mechanischen Robotergegnern á la Terminator auseinandersetzen muss. Das will nicht so richtig ins Szenario passen, auch weil sich die neuen Charaktere um JD, Del und Kait trotz aller Bemühungen doch ziemlich stark von der alten, über viele Teile lieb gewonnenen Truppe unterscheiden. Der Trash-Faktor bei den zahlreichen Dialogen bleibt zwar bestehen, doch anstatt markiger Macho-Sprüche dominiert hier der Teenager-Humor mit der einen oder anderen Situationskomik. Darauf muss man sich einlassen können, zumindest gesellt sich im 2. Akt ein alter Bekannter hinzu, was dann auch prompt eine spürbare Verbesserung nach sich zieht.

Die Auseinandersetzungen werden fortan dynamischer und in Akt 3 weichen die Blechkameraden ansprechenderen Widersachern aus Fleisch und Blut. Brutaler Splatter und Gore halten endlich Einzug, die Kämpfe werden brachialer inszeniert, die Spaßkurve steigt und flacht erst zum unbefriedigenden Ende hin wieder ab. Echte Höhepunkte sind jedoch rar gesät und auch einige Story-Sequenzen wirken arg konstruiert. Kurzum: Die Kampagne von Gears of War 4 kann im direkten Vergleich mit den Vorgängern nicht mithalten. Kooperativ am geteilten Bildschirm oder über die Online-Funktion mit einem Partner macht das Geschehen übrigens mehr Spaß, auch wenn Sessions mit bis zu vier Spielern gleichzeitig nicht mehr möglich sind. Lobenswert: Der deutschen Version liegen Download-Codes für drei von vier Vorgängern bei, lediglich der aktuell noch indizierte 2. Teil fehlt.

Gemeinsam sind wir stark

Wo die Kampagne über weite Strecken enttäuscht, holt der kooperative Mehrspielerpart die Kohlen aus dem Feuer. Horde 3.0 ist als motivierender Überlebensmodus gegen immer stärker werdende Gegnerwellen das absolute Herzstück und zieht sämtliche Asse aus dem Ärmel. Mit den Klassen Soldat, Späher, Pionier, Scharfschütze sowie Waffenexperte können bis zu fünf Spieler gleichzeitig verschiedene Fähigkeiten einsetzen und Befestigungsanlagen bauen, um möglichst lange durchzuhalten. Auch Versus entfacht Begeisterungsstürme mit vielfältigen Modi wie Team-Deathmatch, King of the Hill, Wettrüsten, Beschützer, Kriegsgebiet oder Dodgeball. Wer nicht nur auf reinen Spaß aus ist, kann zudem an Ranglisten und Wettbewerben teilnehmen. Erwähnenswert sind in dem Zusammenhang auch dedizierte Server, LAN und Bots. Mikrotransaktionen sind in Form von verschiedenen Booster-Packs erhältlich, mit denen sich Vorteile erkaufen lassen.

Alte Tugenden

Als klassische, streng lineare Deckungs-Shooter-Action mit wenigen Alternativrouten spricht der Titel Anhänger der Reihe an. Neuerungen sind selbst bei genauerer Betrachtung ebenso wenig auszumachen wie eine Weiterentwicklung der bekannten Spielmechanismen. In vier Schwierigkeitsstufen gilt es mit dem bewährten Waffenarsenal, darunter Fan-Lieblinge wie Lancer, Hammerburst, Vollstrecker, Gnasher-Schrotflinte oder Granaten, die anrückenden Gegnerwellen zu bekämpfen. Idealerweise nutzt man jede sich bietende Deckungsmöglichkeit und ballert dank präziser Steuerung zielgenau auf alles, was sich bewegt. Da die meisten Deckungen jedoch unter dem Dauerbeschuss in ihre Einzelteile zerfallen, hält es den Spieler nicht lange an Ort und Stelle.

Die Scharmützel gestalten sich zwar angenehm kurzweilig, trotzdem vertragen die Feinde immer noch viel zu viel Munition, wenn nicht gerade effektive Kopfschüsse ins Schwarze treffen. Auch vereinzelte KI-Aussetzer konnten beobachtet werden, wenn sich Teamkameraden in unsere Schussbahn stellen oder Feinde schnurstracks am Kampfgeschehen vorbeilaufen und seitdem nicht mehr gesehen wurden. In der Regel verschanzen sie sich aber ziemlich gut hinter den Barrikaden und teilen mitunter ordentlich aus. Für Abwechslung sorgt der so genannte Fabrikator, eine tragbare Truhe mit Waffen und Befestigungen. Erledigte Gegner geben nämlich Energie ab, die man hier investieren kann.

Kräftige Technik

Grafisch lässt auch der neueste Teil der Reihe die Muskeln spielen. Die Unreal Engine 4 zaubert hochauflösende Texturen und atmosphärische Schauplätze auf den Bildschirm, wobei die detaillierte Architektur in der bedrohlichen Dunkelheit durch den erhellenden Kugelhagel besonders überzeugend wirkt. Die Kampagne in 30 fps und der Multiplayer in 60 fps laufen angenehm flüssig ab. Eine solide deutsche Sprachausgabe mit bekannten Sprechern, tolle Sounds und dynamische Musik drücken der akustischen Untermalung ihren Stempel auf.

Pro und Contra
  • Horde 3.0 und Versus-Multiplayer
  • Genialer Kampagnen-Prolog
  • Sound und Musik
  • Präzise Steuerung
  • Wiedersehen mit alten Freunden und Feinden des Gears-Universums
  • Durchwachsene Kampagnen-Qualität (insbesondere Anfang und Ende)
  • Blechgegner passen nicht ins Szenario
  • Widersacher vertragen mitunter zu viel Munition
  • Nur wenige Highlights
  • Neues Team nicht jedermanns Sache
 
Bewertung
Gameplay: 
7
Steuerung: 
9
Grafik: 
8
Sound: 
8
Multiplayer: 
9
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 80
Fazit von: 
Christian Schmitz
Das Videospieljahr 2016 hat überraschend viel für Oldschool-Shooter-Comebacks übrig. Dabei ist es völlig egal, ob ich nun Doom, Shadow Warrior 2 oder eben Gears of War 4 spiele: Ich fühle mich trotz moderner Technik um Jahrzehnte zurückversetzt. Zwar bleibt der spielerische Fortschritt dabei auf der Strecke, dem Spaß tut dies jedoch keinen Abbruch. Das neueste Gears of War kann zwar wegen der durchwachsenen Kampagne nicht rechtlos an alte Stärken anknüpfen, doch der gelungene Mehrspielermodus betreibt dank Horde 3.0 mehr als nur Schadensbegrenzung.

Suche

Neue Mitglieder

  • laurencen0647385914
  • amiecastiglia234
  • melainecarothers
  • marianmackennal29
  • mauriciota