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Xbox One
Bild des Benutzers Garrett84
Xbox One
Spielinfo
ReCore
Entwickler: 
Armature Studio
Publisher: 
Microsoft
Releasedatum: 
16.09.2016
Genre: 
Action-Adventure
USK: 
12
Webseite: 
www.recoregame.com

Wenn sich erfahrene Entwickler zusammentun, die schon mit Ausnahmespielen wie Metroid Prime, Mega Man, Onimusha und Resident Evil Erfolge feierten, hat man bereits gute Voraussetzungen für einen neuen Hit geschaffen. So ist mit ReCore ein sehr ambitionierter Titel erschienen, der jedoch sehr enttäuscht.

Das Erwachen der Macht

Der Beginn erinnert in vielen Kernaspekten unweigerlich an Star Wars VII: Das Erwachen der Macht. So irrt Müllsammlerin Joule orientierungslos durch die Wüstenlandschaft von Far Eden, einem erdähnlichen Planeten, der durch Terraforming für die Menschheit bewohnbar gemacht werden soll. Diese wartet im Orbit auf die erlösende Nachricht, endlich die neue Heimat besiedeln zu können. Zusammen mit ihrem Roboter-Haustier namens Mack erkundet sie das verwüstete Ödland mit unterirdischen Ruinen und trifft dort auf feindselige Maschinen.

Was anfänglich noch durch die mysteriöse Grundstimmung eine gewisse Neugierde weckt, lässt im weiteren Verlauf der acht- bis zehnstündigen Spielzeit kontinuierlich nach. Der Geschichte fehlt es trotz einer relativ interessanten Wendung an Witz, Charme und Spannung. Stattdessen beherrscht Leerlauf das Geschehen, weil in viel zu vielen Abschnitten nichts Relevantes passiert. Außerdem wirkt die Erzählung mit wenigen Zwischensequenzen und Dialogen eher oberflächlich sowie unvollständig. Hintergründe und Erklärungen bleiben im Dunkeln und sind durch Einträge im Journal und Audio-Logs verfügbar. 

SoftCore

Spielerisch kann man eine Light-Variante von Action-Adventures wie Zelda oder Darksiders erwarten, ohne jedoch deren Klasse auch nur annähernd zu erreichen. Dazu gesellen sich im weitesten Sinne kleine Elemente von Titeln, mit denen die Entwickler bereits in der Vergangenheit Erfahrungen gesammelt haben, beispielsweise Mega Man und Onimusha. Leider werden hilfreiche Erklärungen wichtiger Spielmechaniken nur kurz eingeblendet, so dass man wichtige Details unfreiwillig überliest. Die Umgebungen an der Oberfläche bieten trotz ihrem überwiegend schlauchartigen Aufbau auch weitläufige Areale, in denen sich nicht nur Gegner tummeln, sondern auch optional absolvierbare Herausforderungs-Verliese verborgen sind. Um die Laufwege zu verkürzen, steht ein praktisches Schnellreisesystem zur Verfügung.

Die dynamischen, herausfordernden Kämpfe sind die große Stärke von ReCore. Joule führt nämlich ein Energiegewehr inklusive Endlosmunition mit sich. Was dank der einfachen Zielerfassung geradezu nach Dauerfeuer schreit, wird nur durch kurzzeitige Abklingphasen unterbrochen. Allein durch stumpfe Ballerei sind die Gefechte nicht zu gewinnen, dafür sorgen gleich mehrere Faktoren. Damit sich die hartnäckigen Widersacher besiegen lassen, muss der richtige Farbton getroffen werden. Dazu hat Joule jederzeit die Möglichkeit, zwischen dem Standardton sowie blauer, roter und gelber Munition zu wechseln. Im weiteren Verlauf kommen noch Gegner mit Mischfarben wie grün, lila und orange hinzu. Wer als Belohnung nicht nur öden Schrott einheimsen möchte, schaut genauer hin und schwächt Feinde bis zur weißen Markierung der eingeblendeten Lebensanzeige. Dank intuitivem Tauziehen-Minispiel lassen sich so nämlich die wertvollen Kerne extrahieren. Eine gut funktionierende Bedienung macht auch viele waghalsige Sprungpassagen flott spielbar.

Als angriffslustige Begleiter erweisen sich drei treue Kernbots, von denen jedoch nur einer aktiv am Geschehen teilnehmen darf. Ihr tierisches Aussehen ist kein Zufall, sondern offenbart besondere Fähigkeiten. Duncan, der Gorilla, teilt kräftig mit den Fäusten aus und knackt Felsen, die den Weg versperren. Hund Mack gräbt auf Anweisung nach Objekten und mit der agilen Spinne Seth kann man sich an bestimmten Stellen entlang bewegen, die noch vorher unerreichbar schienen. Später kann einer von ihnen noch durch ein Gleitflug-Upgrade verändert werden. Eine kleine Prise Rollenspiel darf auch in ReCore nicht fehlen, wenn sich ihre drei Hauptattribute Angriff, Verteidigung und Energie aufwerten lassen. Zusätzlich lassen sich mit geborgenen Blaupausen und Schrott neue Teile herstellen.

Das Spieltempo ist angenehm hoch, doch es gibt unschöne Störfeuer. Zum einen wäre da die völlig überflüssige Beschränkung auf zwei animalische Begleiter. Führt man beispielsweise Mack und Seth mit sich und muss zum Weiterkommen Felsen zerstören, muss auf umständlichste Art und Weise einer von ihnen mit Duncan getauscht werden. Benötigt man kurz darauf dann wieder Seth oder Mack, wiederholt sich der nervige Vorgang zwangsläufig. Ohnehin steht man im Schlussdrittel regelmäßig vor verschlossenen Toren, die sich nur mit einer bestimmten Anzahl an prismatischen Kernen öffnen lassen. Dummerweise vermittelt das Spiel über weite Strecken der Spielzeit den Eindruck, dass die Suche nach den Kernen eher unwichtig sei. Die Meinungen spalten wird insbesondere das Finale, wenn völlig absurde Geschicklichkeits- und Kampfarenen für Frust sorgen. Die letzten Schritte vor dem Endboss verkommen für viele Spieler zur schier endlosen Qual. Nur knallharte Profis dürften an dieser Art von Herausforderung Gefallen finden.

Tristes Farbenspiel

Technisch ist ReCore eine herbe Enttäuschung und wirkt wie eine durchwachsene Grafik-Mischung aus zurückliegenden Konsolengenerationen. Weder Figuren oder Spielumgebung sind einem Videospiel des Jahres 2016 angemessen. Die Mängelliste ist lang: Extreme Ladezeiten, schwache Texturen, gelegentliche Ruckler, simple Effekte, sichtbarer Aufbau von Schatten und Details, eine wenig überzeugende Sichtweite und nicht zuletzt hölzern wirkende Animationen, Gestik und Mimik gleichen einem Fiasko. Atmosphärische Stilmittel wie Stürme und Spuren im Sand bilden die absolute Ausnahme in einer Welt, die bei weitem nicht so dynamisch wirkt, wie es angepriesen wird. Zumindest überzeugen die deutsche Vertonung und der schöne Soundtrack.

Pro und Contra
  • Gute, griffige Steuerung
  • Interessantes Kampfsystem
  • Deutsche Vertonung + Dynamischer Soundtrack
  • 3 tierische Roboter-Begleiter...
  • Waghalsige Sprungpassagen
  • Schwache Grafik
  • Oberflächliche, unvollständig wirkende Story
  • Frustpotenzial insbesondere zum Finale hin
  • ... von denen man nur 2 gleichzeitig mitnehmen darf
  • Kein Mehrspielermodus
Bewertung
Gameplay: 
6
Steuerung: 
7
Grafik: 
4
Sound: 
6
Multiplayer: 
0
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 61
Fazit von: 
Christian Schmitz
Als ambitionierter Hoffnungsträger vor einigen Jahren angekündigt, ist ReCore eine riesige Enttäuschung des aktuellen Jahrgangs. Trotz der spielerischen Lichtblicke sind die Mängel in puncto Technik und Story zu groß, um der Erwartungshaltung auch nur annähernd gerecht zu werden. Frustrierende Abschnitte, insbesondere gegen Ende hin, vermiesen den Spielspaß zusätzlich.

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