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Xbox One
Bild des Benutzers Garrett84
Xbox One
Spielinfo
Torment: Tides of Numenera
Entwickler: 
inXile Entertainment
Publisher: 
Techland Publishing
Releasedatum: 
28.02.2017
Genre: 
RPG
USK: 
12
Webseite: 
www.tormentgame.com

Eine erfolgreiche Kickstarter-Finanzierung mit 4,2 Millionen US-Dollar macht es möglich: Das legendäre Rollenspiel Planescape: Torment aus dem Jahr 1999 erhält doch noch seinen geistigen Nachfolger. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn Torment: Tides of Numenera ist so kompromisslos eigenwillig und einzigartig, dass es in die übergroßen Fußstapfen passt.

Kummer und Sorgen

Die Handlung spielt in der so genannten Neunten Welt, sprich der neunten Zivilisation auf Erden. Die Vergangenheit der acht vorherigen ist jedoch überall in der seltsamen Welt greifbar und man kann nur erahnen, was passiert sein könnte. In der Haut des letzten Verstoßenen befindet man sich zunächst nach einem verhängnisvollen Klippensturz in einer Art Traumzustand. Mithilfe des Gezeitenportals ist zwar die Rückkehr in den Körper möglich, jegliche Erinnerung scheint jedoch verblasst. Zudem erscheint der Kummer, ein furchterregendes Monster, welches ihm offensichtlich schon vor dem Unfall nach dem Leben trachtete. Fürs erste kann er dem Biest noch erfolgreich entkommen und die Reise beginnt auf der Suche nach dem Schöpfer, dem Wandelnden Gott, dem eigenen Ich und dem Sinn des Lebens.

Wer bis hierhin nur Bahnhof versteht: Keine Sorge, denn der Einstieg wirft tatsächlich mehr Fragen auf, als dass man es in einer sinnvollen Zusammenfassung plausibel näherbringen könnte. Entweder man lässt sich auf den anspruchsvollen Stoff ein oder lässt es gleich bleiben. Wer sich trotz der unzeitgemäßen Präsentation mit einer Lawine an größtenteils unvertonten Textpassagen durchbeißt, wird dafür mit einer großartigen Story entschädigt, die sich über viele Stunden eher gemächlich entfaltet. Es öffnet sich ein interaktives Buch mit alternativen Handlungssträngen und einem daraus resultierenden hohen Wiederspielwert mit vielen großen und kleinen Geschichten fernab des üblichen Standards. Das bizarre Setting aus futuristischer Science-Fiction und mittelalterlicher Fantasy strotzt nur so vor Philosophie, interessanten Dialogen, skurrilen Figuren und verzwickten Beziehungskisten. Zudem punktet die durchdachte Welt mit kreativen Wortkreationen, die angenehm an Planescape: Torment oder Outcast erinnern.

1999 statt 2017

Torment: Tides of Numenera ist genau wie sein Vorgänger ein gruppenbasiertes Rollenspiel aus einer zoombaren Iso-Perspektive. Doch schon die Charaktererstellung fällt völlig aus dem Rahmen: Nach der obligatorischen Geschlechterfrage ist bereits dieses Prozedere interessant ins Spiel integriert, nämlich indem man in Erinnerungen die passenden Entscheidungen trifft. Abschließend können noch die nötigen Feinheiten eingestellt werden wie Fertigkeiten, Fähigkeiten oder der Charaktertyp. Von letzteren gibt es genau drei: Glaive (Krieger), Nano (Magier) sowie Jack (Schurke). Schnell wird klar: Wer es auf schnelle Erfolge abgesehen hat, muss viel Geduld mitbringen. Das Aufgabenbuch füllt sich in der kompakten Spielwelt mit seinen übersichtlichen Arealen zwar fortlaufend, doch Charakterentwicklung und Stufenaufstiege ziehen sich mitunter lange hin weil man oftmals nur wenige Erfahrungspunkte als Belohnung einkassiert.

Dafür bestechen die abwechslungsreichen Quests durch Ideenreichtum, simple Botengänge sind eher die Ausnahme. Dabei verzichtet das Spiel auch auf hilfreiche Komfortfunktionen wie Questmarkierungen auf der Übersichtskarte. Ein tolles Erlebnis ist die Begegnung mit der Figur Rhin. Das junge Mädchen ist einer Sklavenhändlerin ausgebüchst, nach einiger Zeit finden wir sie eher zufällig und werden direkt mit Schlägern konfrontiert, die uns gefolgt sind. Nun ergeben sich mehrere Lösungsansätze: Kämpfen, das Mädchen überlassen oder die zwielichtigen Figuren mit guter Argumentation davon zu überzeugen, das Kind in Ruhe zu lassen. Man könnte auch lügen, einschüchtern oder täuschen. In diesem Fall haben wir uns für einen friedlichen Weg entschieden und anschließend auch noch die Sklavenhändlerin überredet, von ihr abzulassen. Ab sofort schließt sie sich unserer Gruppe an und wir haben ein Musterbeispiel dafür, wie sich Entscheidungen unmittelbar auswirken können. Zwar kommt das manchmal etwas naiv rüber, wenn sich die Gesprächspartner in all ihrer aufdringlichen Entschlossenheit plötzlich doch von ihren Vorhaben abbringen lassen, aber alleine die Möglichkeit lässt Spielspaß aufkommen.

Solche gefährlichen Situationen werden übrigens als Notlagen oder Krisen bezeichnet und führen eben nicht zwangsläufig wie in anderen Genrevertretern wie Divinity: Original Sin oder Wasteland 2 zu Kämpfen. Und das ist auch gut so, denn gerade die rundenbasierten Scharmützel sind der Schwachpunkt weil sie sich trotz der Beeinflussung von Umgebungsobjekten taktisch eher oberflächlich anfühlen und sich arg in die Länge ziehen. Wer also die Wahl hat, sollte tunlichst dem Konzept der Gezeiten folgen sowie Punkte für Stärke, Schnelligkeit und Intellekt einsetzen, um erfolgreich zu argumentieren oder Informationen herauszulocken. Doch auch diese reichen nicht für die Ewigkeit sondern müssen regeneriert werden. Es lässt sich also festhalten: Dialoge, Erkundung und Rätsel machen Spaß, das Kampfgeschehen schwächelt. Der Fortschritt ist übrigens jederzeit speicherbar.

Klassische Technik

Grafisch ist man hin- und hergerissen. Das eigentliche Gerüst ist relativ bieder und bewegt sich auf ähnlichem Niveau wie das ebenfalls über Kickstarter finanzierte PC-Rollenspiel Pillars of Eternity. Bei der Konsolenversion wird das Bild leider unruhiger, je weiter man herauszoomt. Weil das Spieltempo eher langsam ist, fällt das aber kaum ins Gewicht. Auf der anderen Seite bietet die Optik tolle Schauwerte, insgesamt wirkt die Welt dadurch ungemein stimmig und eigenwillig. Während der Gebietswechsel fallen die langen Ladepausen auf. Die Musik ist hingegen absolut hervorragend, die Soundeffekte dagegen durchwachsen. Nur wenige Szenen sind mit englischer Sprachausgabe unterlegt, die deutsche Textübersetzung leidet noch unter kleinen Fehlern, die mit ein wenig Überarbeitung schnell behoben werden können.

Pro und Contra
  • Hochinteressantes Setting
  • Fantastische Story
  • Abwechslungsreiche Quests
  • Entscheidungen mit Konsequenzen
  • Kämpfe lassen sich fast immer vermeiden
  • Schwaches Kampfsystem
  • Technisch bieder
  • Dialoge größtenteils unvertont (ohnehin nur englisch)
  • Deutsche Bildschirmtexte mit kleineren Fehlern
Bewertung
Gameplay: 
8
Steuerung: 
9
Grafik: 
7
Sound: 
7
Multiplayer: 
0
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 85
Fazit von: 
Christian Schmitz
Nicht nur die zahlreichen Kickstarter-Unterstützer dürfen zufrieden sein. Torment: Tides of Numenera ist genau wie sein Vorgänger ein einzigartiges Erlebnis, das seine Anhänger finden wird. Es ist aber auch kein Spiel für jedermann, seien es die ausschweifenden Textpassagen oder das seltsame Design. Über Geschmack lässt sich hier vortrefflich streiten. Zahlreiche Entscheidungsmöglichkeiten inklusive spürbarer Konsequenzen und tolle Quests werden nur vom schwachen Kampfsystem getrübt.

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