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Xbox One
Bild des Benutzers Garrett84
Xbox One
Spielinfo
WRC 6
Entwickler: 
Kylotonn Games
Publisher: 
BigBen Interactive
Releasedatum: 
07.10.2016
Genre: 
Rennspiel
USK: 
0
Webseite: 
http://www.wrcthegame.com/de/

Damit haben wohl nur die optimistischsten Rallye-Enthusiasten gerechnet: Das Videospieljahr 2016 bietet nach dem grandiosen Simulations-Comeback von DIRT Rally und dem soliden Sebastien Loeb Rally Evo mit WRC 6 einen weiteren Titel, der in erster Linie Arcade-Anhänger anspricht. Im Gegensatz zum letztjährigen Ableger findet die Serie mit sinnvollen Verbesserungen wieder in die Spur.

Testsieger in der Kategorie Umfang

Als offiziell lizensiertes Spiel zur FIA World Rally Championship 2016 punktet WRC 6 im Gegensatz zu den Genre-Kollegen mit einem deutlich höheren Umfang. So finden sich neben den bekannten Klassen wie WRC, WRC 2 sowie Junior WRC alle bekannten Teams, Wagen und Fahrer wieder. Das deutsche Verpackungsbild offenbart bereits Ausnahmekönner Sébastian Ogier im VW Polo R WRC. Insgesamt geben sich weit mehr als 50 Teams der aktuellen Saison die Ehre, darunter die deutschen Vertreter Armin Kremer und Pirmin Winkelhofer im Skoda. 14 Original-Rallyes mit 65 Kursen gilt es zu meistern, von der berühmten Rallye Monte Carlo über die ADAC Rallye Deutschland bis hin zur Tour de Corse.

Es ist wirklich schade, dass trotz des prallen Lizenzpakets die Präsentation auf ganzer Linie enttäuscht. Wie man ein Rennspiel mit einem solchen Vorteil durch einfache Mittel wie Zwischensequenzen in Szene setzt, hat vor kurzem erst F1 2016 eindrucksvoll bewiesen. Trotzdem motivieren die Modi ungemein. Einzelspieler bekommen Schnellspiel, Fahrtest und eine oberflächliche Einführung serviert. Bis zu drei anpassbare Meisterschaften sowie die kurzweilige Karriere sind die unumstrittenen Höhepunkte des Singleplayer-Erlebnisses.

Mehrspieler werden über die Rückkehr der lokalen 2-Spieler-Splitscreen-Option frohlocken. Dazu gesellt sich Hot Seat für bis zu acht Fahrer, die der Reihe nach abwechselnd versuchen, ihre Zeiten zu unterbieten. Auch im Online-Multiplayer geht die Post ab: Schnelles Spiel und eine Lobby für private und öffentliche Veranstaltungen sind selbstverständlich, regelmäßige Herausforderungen sollen ebenfalls lange bei Laune halten. Zusätzlich ist die eSports-Meisterschaft direkt vom Start weg ins Spiel integriert und findet parallel mit den echten Rallyes statt. Beim Vorgänger war dieser Online-Wettbewerb lediglich als kostenpflichtiger Download-Content erhältlich.

Die Arcade-Antwort auf DIRT Rally

WRC 6 nutzt eine der wenigen Lücken, die DIRT Rally noch offen gelassen hat. Wer nämlich auf leicht zugänglichen Fahrspaß aus ist, dürfte mit dem vorliegenden Spiel deutlich mehr Freude haben. Zwar gibt es vier Schwierigkeitsgrade und obendrein von Amateur bis Simulation verschiedene anpassbare Fahrstile, doch der Anspruch richtet sich an das Arcade-Lager. So ist das Handling sehr angenehm und vergleichsweise stressfrei, wobei die Etappen herausfordernd bleiben, ohne dass man sich auf festen Schienen fühlt wie in reinen Fun-Racern à la Need for Speed oder Trackmania. Abwechslungsreiches Streckendesign mit Schikanen, Nadelöhren, gefährlichen Kurven, usw. sowie wechselnden Untergründe sollte schließlich eine aufmerksame Fahrweise fördern.

Sämtliche Perspektiven bieten dabei eine gute Übersicht, egal ob Außen- oder Innenansicht. Zu gefallen weiß auch das detaillierte Cockpit. Tüftler verbringen außerdem Zeit im Setup, um sich mit den Feineinstellungen der Fahrzeuge auseinanderzusetzen: Reifenmischung, Vorder- und Hinterradaufhängung, Getriebe und Bremsen können stufenweise eingestellt werden. Die im Vorgänger noch zu Recht kritisierten Beifahreransagen wurden überarbeitet und lassen sich ebenso anpassen, in erster Linie im Hinblick auf den Zeitpunkt der Ansagen sowie ihrer Ausführlichkeit.

Eine optionale Rückspulfunktion fehlt übrigens. Wer Fehler macht, muss auch mit den Konsequenzen leben, wobei das enttäuschende Schadensmodell noch viel Verbesserungspotenzial birgt. Optische und fahrerische Auswirkungen sind überschaubar und haben nichts mit der Realität zu tun, wobei das Kollisionsverhalten ähnlich der Konkurrenz nicht selten für unfreiwillige Komik sorgt, insbesondere bei Abflügen und vermeintlichen Überschlägen. Das Reparatursystem hingegen ist nicht so hartherzig wie in DIRT, weil man hier mit der Schadensbehebung in der großzügig verfügbaren virtuellen Zeit keine Probleme haben dürfte.

Ansonsten unterscheidet sich WRC 6 spielerisch kaum von der Konkurrenz, sondern übernimmt viele bekannte Elemente. Bedienungstechnisch ist das Geschehen mit dem Gamepad gut beherrschbar und lässt sich auf Wunsch frei konfigurieren. Darüber hinaus wird eine Vielzahl an gängigen Lenkrädern unterstützt, eine vollständige Liste dazu findet man hier.

Technischer Defekt

Eine Handvoll Münzen für das Phrasenschwein: Grafik ist nicht alles, aber...! Trotz kleiner Verbesserungen wie soliden Partikel-Effekten, ansehnlichen Wagen, reichhaltiger Vegetation und mehr Zuschauern fährt WRC 6 der Konkurrenz meilenweit hinterher. Sowohl Loeb Rally als auch DIRT sind technisch deutlich ausgereifter und hübscher. Optisch ist das Gesamtbild der abwechslungsreichen Kurse auf den ersten Blick zwar stimmig, aber die Schwachpunkte sind einfach nicht zu übersehen und offenbaren sich insbesondere während der Replays: Verschwommene Hintergründe, unschöne Texturschnittübergänge, aufpoppende und flimmernde Objekte, niedrige Schattenauflösung sowie gelegentliche Framerate-Einbrüche zeichnen das technisch ausbaufähige Bild eines gut spielbaren Rennspiels im Jahr 2016.

Zwar gibt es verschiedene Tageszeiten und abseits von klarem Sonnenschein oder Bewölkung Staub, Regen und Bedingungen eines so genannten Schneesturms, doch restlos überzeugen können diese Effekte nicht. Das ist schade, denn kleine Highlights wie sichtbar hinterlassene Reifenspuren im matschigen Schotter Finnlands zeigen stellenweise, dass in dieser Hinsicht mehr drin gewesen wäre. Da das spielerische Grundgerüst nun funktioniert, könnte man zukünftig aber mehr erwarten. Die Motorensounds sind gut und geraten nur bei Kollisionen merkwürdig ins Stocken.

Pro und Contra
  • Gutes Arcade-Fahrgefühl
  • Offizielle Lizenzen
  • Motivierende Karriere
  • Lokaler Splitscreen-Modus + Hot Seat
  • eSports-Online-Wettbewerb direkt integriert
  • Schwache Präsentation
  • Grafik mit vielen Mängeln
  • Oberflächliches Schadensmodell
  • Stockender Motorensound bei Kollisionen
  • Stellenweise merkwürdiges Kollisionsverhalten
Bewertung
Gameplay: 
8
Steuerung: 
8
Grafik: 
4
Sound: 
7
Multiplayer: 
8
Gesamtwertung
Gesamtwertung: 80
Fazit von: 
Christian Schmitz
Trotz der optischen Schwächen musste ich nicht lange überlegen: WRC 6 hat mir zu viele spaßige Spielstunden beschert, als dass es wegen der grafischen Mängel durchfällt. Als Arcade-Alternative zu DIRT Rally fährt die offizielle Umsetzung zur aktuellen Saison mit überraschend viel PS unter der Haube vor und begeistert mit gelungenen Modi für Einzel- und Mehrspieler. Das spielerische Grundgerüst ist nun vorhanden, für die Nachfolger könnten nun Schadensmodell, Grafik und Präsentation entscheidend verbessert werden.

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