
Eines der wohl besten Spiele der aktuellen Generation bekommt einen Nachfolger. Kann der Unterwasser-Shooter erneut überzeugen und wurden die Kritikpunkte aus Teil 1 beherzigt? Das erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test.
Zehn Jahren nach den Geschehnissen des ersten Teils kehrt ihr auf den Meeresgrund zurück. Diesmal allerdings nicht als Überlebender eines Flugzeugabsturzes, sondern als mächtiger Big Daddy. In Teil 1 streiften die Stahlkolosse durch Rapture und beschützten dabei die "Little Sisters" während ihrer blutrünstigen Arbeit. Die kleinen Mädchen extrahieren mit langen Spritzen die Droge Adam aus Leichen, ständig bedrängt von den Adam-süchtigen Splicern. Während ihr also in BioShock als Mensch gegen Splicer und Big Daddys angetreten seid, wechselt ihr in BioShock 2 die Seite und kämpft als eisernes Monster gegen die Mutanten.
Zur Story sei erwähnt das die religiöse Fanatikerin Sophia Lamb die Little Sisters für ihre eigenen Zwecke missbrauchen möchte. Im Auftrag von Dr. Tenenbaum versucht ihr, sie aufzuhalten und nebenbei das Geheimnis eurer Herkunft aufzuklären. Die Hintergrundgeschichte ist einigermaßen spannend und wird erneut durch herumliegende Audiologs und etliche Flashbacks erzählt.
Auch der zweite Teil von BioShock bietet eine fantastische Hintergrundkulisse. Die Jungs von 2K Marin haben bei der Gestaltung von Rapture ganze Arbeit geleistet. Das abwechslungsreiche Leveldesign wird lediglich von der üppigen Detailverliebtheit getoppt. Schade, dass vergleichbare Schreckmomente wie das Zusammentreffen mit dem geistesgestörten Schönheitschirurgen oder die Entdeckung der Figuren des nicht minder wahnsinnigen Künstlers aus BioShock in der Fortsetzung fehlen. Das mindert den Spielspaß aber keineswegs.
Die Tatsache, dass wir nun selbst ein Big Daddy sind, wurde von den Entwicklern pompös in Szene gesetzt. So bemerken wir am Rande unseres Sichtfeldes den grossen Helm, und unsere Schritte und vor allem Sprünge lassen den Boden erbeben. Genauso grandios sind Passagen, in denen wir uns ausserhalb von Rapture bewegen, fast schon schwerelos und über uns nichts als Meer und die imposante Skyline der Stadt.
Obwohl ihr eigentlich einen der Beschützer der Little Sisters verkörpert, macht’s BioShock 2 ähnlich wie der erste Teil. Wieder müsst ihr zunächst einen Big Daddy erledigen, um an eine Little Sister und so ans wertvolle Adam heranzukommen. Steht dann eines der Mädchen vor euch, habt ihr die Wahl, die Droge aus dem Mädchen zu saugen und es so zu töten oder das Kind auf eure Schultern zu heben. Wenn ihr euch für Letzteres entscheidet, geleitet ihr die Little Sister auf Knopfdruck zu einer von maximal zwei Leichen, aus der sie Adam ernten kann. Danach will das Mädel wieder in einen der zahlreichen Lüftungsschächte krabbeln. Dann habt ihr abermals die Wahl, entweder das Adam komplett ernten oder das Kind retten. Wie schon in BioShock wird skrupelloses Vorgehen mit mehr Adam, mitleidiges hingegen mit gelegentlichen Geschenken belohnt. Abermals beeinflusst ihr durch euer Verhalten maßgeblich den Ausgang der Geschichte.
Im ersten Teil musste man nur selten seine grauen Gehirnzellen anstrengen. Das ändert sich im 2. Teil. Sobald ihr eines der Mädchen zum Adam-Ernten abgesetzt habt, strömen zig Splicer aus den Löchern und wollen dem Kind an den Kragen. Daher sollte man im Vorfeld das Areal sorgfältig für den anstehenden Kampf präparieren. Fallenminen an Türen stoppen die erste Angreiferwelle, gehackte Überwachungs- oder Selbstschussanlagen nehmen sich weiterer Gegner an. Auch sollte man drauf achten, dass man ausreichend Munition sowie Heilungsmittel eingesteckt hat. Solltet ihr euch also nicht richtig auf den Kampf vorbereiten, lauft ihr Gefahr, die Little Sister zu verlieren oder selbst zusterben. Allerdings bleibt Letzteres wie im ersten BioShock ohne große Konsequenzen, ihr steht gleich nach dem Ableben in einer der vielen so genannten Vita Chambers wieder auf.
Das Hacken bewerkstelligt ihr nun nicht mehr übers Zusammenstöpseln von Rohren, sondern durch ein wesentlich flotteres Reaktionsspielchen, in dem ihr einen sich schnell bewegenden Pfeil in einem grünen Feld stoppen müsst. Solltet ihr stattdessen ein rotes Feld erwischen, bekommt euer Big Daddy einen Stromschlag verpasst. Wer besonders umsichtig ist, manipuliert zudem Heilstationen, die verletzte Splicer nicht aufpäppeln, sondern ihnen den Rest verpassen.
Im Laufe des Spieles werdet ihr immer wieder gegen den muskulösen Brute Splicer und die flinke Big Sister antreten müssen. Beide "Zwischenbosse" lassen sich aber im späteren Verlauf mit den richtigen Kombinationen aus Waffen, Plasmiden und Tonika (passive Fähigkeiten) verhältnismäßig locker ausschalten. Denn in BioShock 2 entfällt das fummelige Umschalten zwischen Waffe und Plasmid. Anders als der Held des Vorgängers habt ihr als Big Daddy Plasmid und Waffe gleichzeitig in den Pranken. Zwischen den zahlreichen Gefechten könnt ihr bei speziellen Shops Munition, Heilungsmittel, Upgrades und neue Plasmiden kaufen. Letzteres gibt es natürlich nur für das heiß begehrte Adam. Für etwas Abwechslung sorgen die gelegentlichen Ausflüge ins kühle Nass (ziemlich praktisch so ein Taucheranzug). Leider fallen diese Spaziergänge recht unspektakulär aus.
In Bioshock 2 bekommt ihr wieder fantastische Effekte und anspruchsvolle Animationen geboten. Die Beleuchtungen der Areale wissen zu beeindrucken und nicht selten erschreckt man sich schon mal vor seinem eigenen mächtigen Schatten. Auch die abgefahrenen sowie polygonreichen Figuren können sich sehen lassen und tragen zum mehr als gelungenen Gesamteindruck bei.
Grossen Anteil zur dichten Atmosphäre hat natürlich auch der Sound. Die Stadt ist voll von Geräuschen, Rauschen und dem Gemurmel der Bewohner. Oft hört man seine Gegner schon von Weitem, wenn sie sich unterhalten, oder ein dumpfer Schrei eines Big Daddys hallt durch die Gänge. Dabei wurde an dramatischer klassischer Musik als Untermalung nicht gespart.
Anders als der Vorgänger hat BioShock 2 auch einen Multiplayer-Modus, in dem ihr wieder als Mensch unterwegs seid. Sämtliche Einstellungen wie Aussehen, Waffen-Ausrüstung usw. legt ihr in einer als Unterwasserwohnung sehr schick gestalteten Lobby fest, bevor es dann per Tauchkugel ins Geschehen geht. Dann spielt ihr ganz klassisches Deathmatches ebenso wie ein paar Team basierte Spielvarianten. Natürlich könnt ihr auch im Multiplayer Waffen und Plasmide gleichzeitig nutzen. Der Multiplayer stellt in meinen Augen zwar eine gelungene, aber doch nur eine Dreingabe zum einmaligen Einzelspielererlebnis dar.