
Allein der Name „Transformers“ ist seit den 1980er Jahren für viele Kinder ein Begriff. Seit viele Jahren werden hier in Comics und Zeichentrickserien Werte wie Mut, Ehre und Freundschaft geprägt, aber auch Verrat und Boshaftigkeit kommen immer wieder vor. Nun kommt mit „Transformers: Kampf um Cybertron“ ein Spiel auf die heimischen Konsolen, das sich erneut mit diesen Werten identifizieren möchte. Und für die Fans der Michael-Bay-Filme sei gleich vorabgesagt: Mit den Kinofilmen aus den letzten Jahren hat dieses Spiel nichts zu tun. Eher mit den Comics und den Zeichentrickserien.
Die Geschichte ist deshalb auch neu und spielt einige hunderttausend Jahre vor den Kinofilmen: Auf dem Planeten Cybertron, die Heimatwelt aller Transformers, herrscht ein blutiger Krieg zwischen den bösen Decepticons unter der Führung von Megatron und den Autobots unter der Führung von Zeta Prime. Nun haben die bösen Decepticons einen Plan gefasst, der den Krieg zu ihren Gunsten entscheiden kann: Sie wollen aus einer Raumstation sogenanntes „Dark Energon“ stehlen und in den Planetenkern spritzen. Dark Energon ist eine Substanz, die jeden in einen Decepticon verwandelt. Die Kampagne wird dabei in insgesamt zehn Kapitel unterteilt, wobei auf jeder Seite fünf gespielt werden müssen. Man darf also sowohl in die Rolle der Guten, als auch in die der Bösen schlüpfen. Dabei bekommt man, gerade für Fans der Serie interessante, Fakten geliefert, die bisher unbekannte Rätsel lösen. So wird zum Beispiel endlich verraten, warum Starscream die Seiten wechselt.
Das Spiel ist ein 3rd Person Shooter und so schaut man seinem Protagonisten jederzeit über die Schulter. Gerade Fans des Spiels „Gears of War“ werden einige Parallelen wiederfinden. Allerdings gibt es kein Deckungssystem, was jedoch bei der Größe der Gegner und der eigenen Spielfigur etwas nutzlos wäre, schließlich sind Transformers riesige Roboter. Zunächst wählt man sich jedoch eine der vier verschiedenen Klassen aus, die für unterschiedliche Taktiken durch diverse Spezialfähigkeiten sorgen: Der Scientist sorgt für Heilung oder lässt seine Mitstreiter für kurze Zeit unsichtbar werden, der Leader motiviert seine Kampftruppe und sorgt für erhöhte Rüstung, mehr Schaden und kann sogar die Transformation der Gegner abbrechen. Der Scout ist sehr klein und flink und kann außerdem aus großer Entfernung mit seinem Scharfschützengewehr die Gegner erledigen und der Soldat ist die Fronteinheit und kann mit der größten Lebensenergie und den besten Rüstungswerten aufwarten.
Apropos Lebensenergie: Ein kleines Manko ist, dass die Lebensenergie von alleine nicht vollständig regeneriert wird. Dazu müssen sogenannte Energon-Würfel gefunden und aufgenommen werden. Allgemein sind die Ressourcen etwas begrenzt, denn auch Munition geht in gewissen Situationen zu schnell aus. Zwar gibt es noch eine Nahkampfattacke, die jedoch bei mehreren Gegnern eher nutzlos ist. Das Motto sollte eh „Immer in Bewegung bleiben“ lauten, denn wer einfach nur still rumsteht und zielt bekommt von allen Seiten etwas auf die Mütze. Der Tod bedeutet jedoch nicht sofort das Ende, denn sinkt die eigene Lebensanzeige mal auf null, können Mitspieler innerhalb einiger Sekunden den eigenen Roboter wiederbeleben. Passiert das jedoch nicht, muss eine Zwangspause eingelegt werden.
Transformers wäre nicht Transformers, wenn sich die Roboter nicht auch in diverse Fortbewegungsmittel verwandeln könnten. Einige haben die Möglichkeit ihre Erscheinung in Autos und Panzer zu wechseln, andere hingegen dürfen sich sogar als Flugzeug in die Lüfte und den Weltraum erheben. Gerade letztere machen sehr viel Spaß, denn dann kann man in epischen Schlachten gegen Zerstörer und Schlachtschiffe kämpfen. Allerdings verursachen Panzer mit einem Schuss wesentlich mehr Schaden als ihre fliegenden Alliierten und halten auch viel mehr aus. Und gerade bei den Bosskämpfen, die den größten Spaß in der Kampagne ausmachen, ist Taktik und die richtige Wahl gefragt. Denn hier müssen Raumstationen zerstört, Dark Energon Container unschädlich gemacht und riesige Wächterroboter erledigt werden. Nebenbei muss man Raketen ausweichen, rot markierte Stellen treffen und ein Auge auf die begrenzten Ressourcen haben.
Am besten Spielt man die Kampagne mit bis zu zwei weiteren, menschlichen Mitspielern durch, denn dann können auch wirklich unterschiedliche Taktiken angewandt werden. Benutzt man lediglich die computergesteuerten Freunde, kann das zu Frust führen, denn die KI strotzt nicht gerade vor Intelligenz. Allerdings gleicht sich das dann mit den immer gleich aussehenden, 08-15-Gegnern aus, die ebenfalls eher rambomäßig vorgehen und lediglich Kanonenfutter sind. Denn sie laufen gerne in das große Waffenarsenal, welches unter anderem aus Plasmakanonen und abmontierten Geschütztürmen besteht.
Die Grafik ist ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite steht die mächtige Unreal 3 Engine, die für wirklich gut aussehende, flüssige Animationen sorgt und damit die Atmosphäre der teils epischen Schlachten und Szenarien unterstützt. Auf der anderen Seite die etwas trübe Umgebung, die sich vor allem durch wenig Details und vielen Wiederholungen auszeichnet. Alles wirkt etwas grau in grau, jedoch niemals wirklich schlecht und störend. Zwar keine überdurchschnittliche, aber sehr solide Leistung wird hier geboten.
Ein weiterer Punkt ist der Multiplayer, der neben der Kampagne auch noch diverse 5-gegen-5-Schlachten unterstützt. So die obligatorischen Death-Match-Szenarien, den Conquest-Mode, bei dem es um die Einnahme von Zielgebieten geht, eine Art „Capture the Flag“ und das sogenannte „Power Struggle“, bei dem man Areale vor gegnerischen Bomben schützen muss. Diese unterschiedlichen Modi machen wirklich Spaß und sorgen für weitere etliche Stunden Spielspaß. Allerdings ist das Balancing nicht komplett ausgereift, denn der Soldat ist wohl die stärkste Einheit des Spiels. Dazu kommt, dass unterschiedliche Kill-Streak-Fähigkeiten zum Einsatz gebracht werden können. Hat man also eine bestimmte Anzahl an Gegner erledigt, ohne selbst das Zeitliche zu segnen, kann man zum Beispiel auf das mächtige Energieschwert zurückgreifen, dass für Instant-Kills sorgt.